Yanis Varoufakis hat gut zwei Wochen nach der Einigung mit den Euroländern die griechischen Reformpläne konkretisiert. In einem Brief (PDF) an Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nennt Griechenlands Finanzminister sieben Punkte, an denen die Regierung von Alexis Tsipras ansetzen will. Neben Einsparungen und Einnahmen spielt auch die Not der Bevölkerung eine Rolle.

Unter Punkt 1 führt Varoufakis die Einrichtung eines "Steuerrechtlichen Rates" aus. Dabei handelt es sich um ein Gremium, das die Steuerpolitik der Regierung überwachen und die Ausgaben beständig gegen die Budgetplanung abgleichen soll. Die gesetzliche Grundlage für den Rat wurde bereits von der Vorgänger-Regierung gelegt. "Trotzdem wurde er nie aktiviert und hat seine Arbeit bis heute praktisch nicht aufgenommen", schreibt Varoufakis.

Um der Ausgaben Herr zu werden, plant die griechische Regierung, zweitens, die Kosten der Verwaltung zu deckeln. Darüber hinaus soll die Budgetplanung durch Veränderungen im Haushaltsrecht effizienter gestaltet und häufiger überprüft werden. Für alle Ebenen des Staates soll gelten, dass die Budgets vierteljährlich überprüft werden.

Unter Punkt 3 kommt Varoufakis auf den Umgang mit Steuerschulden zu sprechen. "Die Kultur des Vermeidens von Steuern sitzt tief in der griechischen Gesellschaft", schreibt der Finanzminister. Die zuständigen Behörden seien aufgrund von einem limitierten Budget nicht dazu in der Lage, wirkungsvoll dagegen vorzugehen. Um dieses Problem zu lösen, sollen kurzfristig für maximal zwei Monate zahlreiche ungelernte Steuerprüfer – zum Beispiel Studenten oder sogar Touristen – eingestellt werden. Nach einer grundlegenden Einweisung sollen sie verkabelt mit Audio und Video auf die Jagd nach Steuersündern gehen. Dabei sollen sie keine Zugriffsrechte haben, sondern vielmehr Material produzieren, anhand dessen die offiziellen Behörden aktiv werden können.

Durch diese Maßnahme hofft Varoufakis nicht nur Einnahmen, sondern auch einen Kulturwandel herbeiführen zu können. Das Vorgehen habe das Potential, "die Einstellung sehr schnell zu ändern und in der Gesellschaft das Gefühl von Gerechtigkeit zu verbreiten". Um dies herbeizuführen, werde man die Hilfe und Erfahrung von anderen EU-Mitgliedstaaten benötigen.

Unter Punkt 4 führt Varoufakis aus, wie die Verbesserung des bestehenden Rechts zur Eintreibung der ausstehenden Steuerschulden von insgesamt 76 Milliarden Euro beitragen soll. Zu den Maßnahmen zählt unter anderem ein Nachlass: Wer seine ausstehenden Schulden noch in diesem Monat zahlt, soll mit Rabatten belohnt werden. Gleiches gilt für Personen, die ihre Steuerschuld bereits im Voraus begleichen und den Staat damit bei der Finanzierung der kommenden Wochen und Monate unterstützen.