Nach Schuldengezerre, Reparationsforderungen und Pfändungsdrohungen geht der Streit zwischen Athen und Griechenland nun auf einer persönlichen Ebene weiter: Mit einer diplomatischen Protestnote reagierte die griechische Regierung auf ihrer Meinung nach "herablassende" Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über seinen Athener Kollegen Yanis Varoufakis.

Auslöser waren womöglich Berichte griechischer Medien, nach denen Schäuble die Kommunikation von Varoufakis am Rande des Treffens der Finanzminister Anfang der Woche in Brüssel vor Journalisten angeblich als "dümmlich naiv" bezeichnet haben soll. Schäuble selbst wies den Vorwurf zurück. Das sei Unsinn, sagte er in Berlin am Rande der Zoll-Jahrespressekonferenz.

Schäuble und Varoufakis hatten sich schon mehrfach seit Antritt der griechischen Links-Rechts-Regierung öffentliche Wortwechsel geliefert. Jetzt schickte Athen eine Beschwerde. Der Botschafter in Berlin habe am Dienstagabend dem Auswärtigen Amt einen förmlichen Protest Athens wegen einer Äußerung des Bundesfinanzministers vorgetragen, sagte ein Ministeriumssprecher. Auf welche konkrete Äußerung sich der Protest bezog, wollte er nicht sagen. Später hieß es in Athen, es gehe allgemein auch um den Ton Schäubles. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, es sei "definitiv falsch", dass Schäuble Varoufakis beleidigt habe.

Schäuble hatte nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel von einem "bilateralen langen intensiven Gespräch" mit Varoufakis berichtet, in dem dieser sich offenbar über den Umgang der Medien mit ihm beklagt hatte. Schäuble berichtete weiter, er habe Varoufakis gesagt, dieser sei ihm bislang eher als jemand vorgekommen, der "in Sachen Kommunikation" einen "stärkeren Eindruck" gemacht habe "als in der Substanz". Schäuble fügte hinzu: "Also, dass er jetzt plötzlich naiv in Sachen Kommunikation wäre, hab ich ihm gesagt, das ist mir ganz neu. Aber man lernt ja nie aus." Danach war in griechischen Medienberichten von scharfen Vorwürfen Schäubles die Rede.

Varoufakis wiederum berichtete in einem griechischen Fernsehinterview von einem Austausch mit Schäuble in den vergangenen Wochen, in dem dieser ihm gesagt habe, dass er das Vertrauen der deutschen Regierung verloren habe. Varoufakis erwiderte nach eigenen Angaben: "Das habe ich nie gehabt, weil ich einer linksradikalen Regierung angehöre." Zugleich bekundete Varoufakis in dem Interview seinen "großen Respekt" für den deutschen Finanzminister.

Varoufakis besteht auf deutschen Reparationszahlungen

In der Debatte über die Forderung nach deutschen Reparationszahlungen an Athen blieb Varoufakis unterdessen hart. Diese Frage sollte zwar getrennt von der Frage nach den griechischen Schulden behandelt werden, sagte er dem französischen Sender France 24. Gleichzeitig betonte er, die Pflicht zur Rückzahlung müsse für "alle Arten von Schulden, besonders die mit historischer Bedeutung belasteten" gelten.

Griechenland hatte seine Forderung nach Reparationen für deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg bekräftigt. Der griechische Justizminister Nikos Paraskevopoulos hatte am Mittwoch angedroht, zur Durchsetzung der Forderungen notfalls deutsche Liegenschaften in Griechenland zu pfänden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wies dies zurück: "Wir bekennen uns zu unserer historischen moralischen Verantwortung, das ist gar keine Frage. Aber rechtlich ist die Frage von Wiedergutmachungen abgeschlossen. Das weiß Griechenland", sagte er.