Der Beschluss des Bundeskabinetts zum Fracking ist überwiegend auf Ablehnung gestoßen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte die vielen Auflagen. "Die Auflagen für die Erdgasförderung insgesamt sind vollkommen überzogen", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Für die Förderung würden höchste Umweltstandards gelten. Außerdem könne das Fracking einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. "Um uns nicht von Importen abhängig zu machen, sind wir weiterhin auf die Nutzung von heimischem Erdgas angewiesen. Langfristig wird dies ohne das Schiefergas nicht gelingen", sagte Kerber. Der Verband begrüßt jedoch grundsätzlich, dass es kein vollständiges Verbot für das Gas-Fracking geben soll.

In Deutschland soll die umstrittene Schiefergas-Förderung auf längere Zeit keine Chance haben. Das Bundeskabinett hatte ein entsprechendes Gesetz gebilligt. Es schließt Fracking für die nächsten Jahre aus und erlaubt Probebohrungen nur unter strengen Auflagen. Der Bundestag soll noch über den Gesetzentwurf der Regierung beraten und dann darüber beschließen.

Aus Sicht von Naturschutzverbänden sendet die Bundesregierung mit dem Gesetz ein fatales Signal: Statt konsequenten Klimaschutz zu betreiben, setze sie weiterhin auf klimaschädliche fossile Energieträger. "Um die Klimaziele zu erreichen, muss ein Großteil der fossilen Ressourcen in der Erde bleiben", sagte die Generalsekretärin des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Liselotte Unseld. "Es ergibt keinen Sinn, jetzt durch Fracking weitere Lagerstätten zu erschließen – zudem mit einer risikoreichen Technik und mit umweltschädlichen Methoden."

Aufgrund des Einsatzes von Chemikalien, bei dem giftiges Lagerstättenwasser frei werde, sei Fracking eine große Gefahr für Grund- und  Trinkwasser. Außerdem werde beim Hydraulic Fracturing etwa 30 Prozent mehr klimaschädliches Methan freigesetzt als bei der konventionellen Erdgasförderung, warnte Unseld. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in München kritisierte, Deutschland brauche "keine Risikotechnologie zur Förderung fossiler Energieträger", sondern eine Reduzierung des Energieverbrauchs. Die Entscheidung des Kabinetts sei "weder unter umweltpolitischen Gesichtspunkten nachvollziehbar" noch sei sie energiepolitisch das richtige Signal, sagte Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der DUH.

Ähnlich reagierte das Deutsche Umweltinstitut in München. "Paradox ist, dass die Bundesregierung Fracking generell erlaubt, obwohl sie selbst festgestellt und öffentlich kommuniziert hat, dass die umstrittene Fördertechnik weder einen Beitrag zum Klimaschutz noch zu unserer Versorgungssicherheit leisten kann", sagte Franziska Buch, Energiereferentin des eingetragenen Vereins.  Dem ökologischen Schaden, den die Gesellschaft tragen müsse, stehe kein wirtschaftlicher Nutzen gegenüber.

Umweltministerin gegen Expertenkommission

Außerhalb der Verbotszonen soll Fracking nur bis 3.000 Meter Tiefe verboten sein. Unterhalb dieser  Tiefe aber möglich – genau dort, wo der Großteil der Schiefergasvorkommen vermutet wird, wie die Expertin des Umweltinstituts erläutert. Wissenschaftliche Probebohrungen mit nachweisbar für das Trinkwasser ungefährlichen Frackingflüssigkeiten sollen wie bisher möglich bleiben.

Oberhalb von 3.000 Metern soll Fracking ab 2018 möglich werden, wenn eine Expertenkommission die jeweiligen Vorhaben für unbedenklich erklärt. Diese Expertenkommission würde die Bundesumweltministerin gern aus dem Gesetzentwurf streichen. Die Kommission sei auf Druck der Union durch das Kanzleramt in ihren Entwurf hereinverhandelt worden, sagte die Ministerin. "Fachlich verantwortbar ist es", sagte Hendricks auf die Frage, ob die Kommission gestrichen werden könnte. Gerade in der SPD wird ein Automatismus für kommerzielle Projekte befürchtet – ähnlich wie bei den Umweltschützern.  

Ablehnung aus der Union

Die sechs Mitglieder starke Kommission könnte den bisherigen Plänen zufolge nach 2018 die kommerzielle Gasförderung dann gestatten, wenn Probebohrungen positiv verlaufen sind. Allein eine Erprobungsmaßnahme kostet rund 30 Millionen Euro.

Die SPD-Fraktion warf den Unionsabgeordneten bereits vor, den Gesetzentwurf aufgeweicht zu haben. So gebe es unter anderem Beratungsbedarf über die Rolle und Aufgabe der Expertenkommission, heißt es in einem Schreiben an die eigenen Abgeordneten, das unter anderem von den Fraktionsvizes Ute Vogt und Hubertus Heil unterzeichnet worden ist.

In der Union wiederum hatten Abgeordnete mit Ablehnung gedroht, weil ihnen der Gesetzentwurf nicht weit genug geht.