IWF-Chefin Christine Lagarde hat vor einer langfristigen Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft gewarnt. "Wir müssen heute verhindern, dass die neue Mittelmäßigkeit zur neuen Realität wird", sagte sie bei einer Rede vor dem Thinktank Atlantic Council in Washington. 

"Wir können es besser und wir müssen es besser machen", forderte die Französin eine Woche vor Beginn der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank und warnte vor einer "komfortablen Untätigkeit". Aktuell müsse die Politik die Nachfrage stärken. Längerfristig seien aber Strukturreformen nötig, um die Wachstumsmöglichkeiten zu erhöhen. Andernfalls drohten hohe Arbeitslosenzahlen und Staatsschulden.

Für 2015 rechnet sie mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum, das in etwa die 3,4 Prozent aus dem Vorjahr erreichen dürfte. In den Industrieländern werde es etwas besser laufen als 2014, in den Euroländern mithilfe der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenfalls.  

In den Schwellenländern werde es bei großen regionalen Unterschieden leicht schlechter aussehen als im Vorjahr. Vor allem in Russland, Brasilien und vielen Teilen des Nahen Ostens gebe es ökonomische Probleme. Indien, China und Afrika südlich der Sahara stünden besser da.

Menschen spüren Erholung der Wirtschaft nicht

Insgesamt seien die Risiken gestiegen, sagte Lagarde. Diese hätten sich aber verschoben: von Banken zu Nicht-Banken, von Industrie- zu Schwellenländern. Eine solches Umfeld sei schlecht für die Finanzstabilität und berge Risiken. Probleme könnten vor allem die niedrigen oder gar negativen Zinsen sowie dramatische Wechselkursschwankungen verursachen.

Viele Länder hätten die Folgen der Finanzkrise vor sieben Jahren noch immer nicht voll überwunden, sagte die IWF-Chefin. Die Erholung der Weltwirtschaft verlaufe "moderat und ungleichmäßig. In zu vielen Teilen der Welt ist sie nicht stark genug. In zu vielen Teilen der Welt spüren die Menschen sie nicht genug."

IWF diskutiert interne Reform

Die lockere Geldpolitik der Eurozone und in Japan seien zwar hilfreich für die wirtschaftliche Entwicklung, doch gebe es dort zu viele steuerliche Hürden, die Menschen von einer Beschäftigung abhielten. Auch beim Zugang kleinerer und mittlerer Firmen zu Geld gebe es in Europa Verbesserungspotenzial.

Der IWF diskutiert nach Lagardes Worten über Zwischenschritte für eine umfassende Reform, mit der die Schwellenländer mehr Einfluss erhalten sollten. Diese war 2010 beschlossen worden. Da der Kongress des größten IWF-Anteilseigners USA dem Vorhaben aber immer noch nicht zugestimmt hat, kann es nicht in Kraft treten.