Es ist eine spektakuläre Personalie in der Finanzwelt: Ben Bernanke heuert nur kurze Zeit nach seinem Ausscheiden bei der US-Notenbank als Berater der Allianz-Tochter Pimco an. Der Ex-Fed-Chef solle der Investmentgesellschaft mit seiner Wirtschaftsexpertise zur Seite stehen und sich auch regelmäßig um Kunden kümmern, teilte Pimco mit. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Bernanke auch einen Beraterjob bei dem New Yorker Hedgefonds Citadel übernehmen wird.

Bernanke, der 2014 nach acht Jahren an der Fed-Spitze von Janet Yellen abgelöst wurde, verdient auch Geld mit Vorträgen und als Buchautor. Der Ökonom veröffentlicht zudem Analysen bei der Washingtoner Denkfabrik Brookings. Mit seinem Wechsel in die Finanzindustrie folgt der frühere Zentralbankchef dem Beispiel vieler anderer politischer Entscheider aus Washington wie etwa seinem Vorgänger Alan Greenspan und Ex-Finanzminister Timothy Geithner.

Interessenkonflikte wegen seiner früheren Rolle als Geldpolitiker und Regulierer schloss Bernanke aus, da weder Pimco noch Citadel von der US-Notenbank beaufsichtigt würden. Auch werde er nicht als Lobbyist bei der Fed oder im Kongress fungieren. Allerdings wolle er Pimco gerne sein Fachwissen zu gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen zur Verfügung stellen. 

Die Brisanz seiner Tätigkeiten ist Bernanke aber durchaus bewusst. Der New York Times hatte er nach seinem Wechsel zu Citadel gesagt, ihm sei klar, dass so etwas öffentlichen Argwohn provozieren könne. Weitere Beratungsaufträge will Bernanke nicht annehmen.

Pimco kann positive Schlagzeilen und hochkarätige Unterstützung gut gebrauchen. Die Allianz-Tochter hatte zuletzt mit einem Führungschaos zu kämpfen. Der schillernde Unternehmensgründer und Starinvestor Bill Gross war im Herbst überraschend zum Konkurrenten Janus Capital gewechselt. Zuvor hatte er sich mit dem restlichen Pimco-Management überworfen.