Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, ist wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen worden. Privaträume und Büros von Rato seien von der Polizei durchsucht worden, sagte ein Sprecher der spanischen Justizbehörde. Die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Rato wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche bei seinem privaten Vermögen. Nach offiziell noch unbestätigten Medienberichten geht es bei den Ermittlungen auch um die Herkunft von 6,2 Millionen Euro, die der Beschuldigte 2012 im Rahmen einer allgemeinen Steueramnestie aus der Schweiz nach Spanien transferiert hatte. Rodrigo Rato war von 2004 bis 2007 geschäftsführender Direktor des IWF. 

Justizminister Rafael Catalá sagte, er respektiere die Festnahme des in der Regierung von José Maria Aznar (1996-2004) für Wirtschaft zuständigen ehemaligen Vizeministerpräsidenten. Dies zeige, "dass das Gesetz in Spanien funktioniert und für alle gleich ist".

Gegen Rodrigo Rato wird bereits in zwei anderen Affären ermittelt, darunter wegen Betrugs und Bilanzfälschung beim Börsengang der Bank Bankia im Jahr 2011. Damals war Rato Präsident des Geldhauses. Die Anleger, darunter Hunderttausende Kleinsparer, verloren fast ihr gesamtes Geld. 2012 war Bankia dann von der Regierung mit 22,4 Milliarden Euro aus einem 41-Milliarden-Hilfspaket von EU und IWF vor dem Bankrott gerettet worden.

Rato steht außerdem auch im Mittelpunkt der sogenannten "Selbstbedienungsaffäre". Die Justiz ermittelt gegen mehrere ehemalige Topmanager und Aufsichtsratsmitglieder von Bankia, die mit Firmenkarten auf Kosten des Unternehmens private Ausgaben finanziert haben sollen. Wegen der Affären hatte Rajoy im vergangenen Oktober Rato zum vorläufigen Austritt aus der Partei überredet.