Entgegen aller Spekulationen hat sich das Präsidium des Aufsichtsrats von Volkswagen für den Verbleib des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn im Unternehmen ausgesprochen. Das Gremium teilte mit, dem Aufsichtsrat jetzt vorzuschlagen, den Vertrag von Winterkorn im Februar nächsten Jahres zu verlängern. Das Präsidium lege großen Wert darauf, dass Winterkorn seine Funktion als Vorstandsvorsitzender "auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt".

Bis zu der Mitteilung stand Winterkorn erheblich unter Druck, nachdem der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch öffentlich von Winterkorn abgerückt war. In der Branche rechneten viele mit einer Absetzung des Vorstandsvorsitzenden.

Der überraschende Bruch Piëchs mit seinem einstigen Zögling Winterkorn war auf Ablehnung im Aufsichtsrat gestoßen. Der einflussreiche Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich ebenso wie das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär hinter den angesehenen Manager. Osterloh hatte als Reaktion auf Piëchs Abrücken von Winterkorn gesagt, wenn es nach den Arbeitnehmern gehe, solle dessen Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden.

Die VW-Führung äußerte sich nun zum ersten Mal in dem seit knapp einer Woche schwelenden Machtkampf. Am Donnerstag war der engste Kreis des Volkswagen-Aufsichtsrats bei einer Sondersitzung in Salzburg zusammengekommen. Auch Winterkorn war mit von der Partie. Am Abend saß er dann mit Betriebsratschef Osterloh auf der Tribüne beim Europa-League-Spiel des VfL Wolfsburg gegen den SSC Neapel.

Auf dem Sondertreffen in Salzburg ging es auch um strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstands. VW hat derzeit etwa große Probleme auf dem wichtigen US-Markt.

Machtkampf noch lange nicht beendet

Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen wird schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptakteure geführt. Piëch wurde am Freitag 78 Jahre alt und ist noch bis 2017 gewählt. Der 67-jährige Winterkorn hatte zunächst auf eine Verlängerung seiner Amtszeit um ein, zwei Jahre über 2016 hinaus gehofft, um Piëch danach an der Spitze des Aufsichtsrats abzulösen. Dies gilt nun als unwahrscheinlich.

Aus Sicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist der Machtkampf um die VW-Spitze damit nicht beendet. Der Professor der Uni Duisburg-Essen bezeichnete die geplante Vertragsverlängerung als "Etappensieg" für Winterkorn. Die VW-Mitteilung sei ein "Signal, um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen". Noch sei kein Vertrag unterzeichnet, es gebe nur eine Willensbekundung. "Piëch wird sich das bis dahin weiter genau angucken", sagte Dudenhöffer. Winterkorn sei noch immer angezählt und stehe unter genauer Beobachtung Piëchs.