Die Lokführergewerkschaft GdL startet am Dienstag den neunten Streik in diesem Arbeitskampf: Seit 15 Uhr wird der Güterverkehr bestreikt, nachts um zwei Uhr beginnt der Streik im Personenverkehr. Gerade einmal zehn Tage Streikpause hatten die Deutschen, wie unsere Infografik zeigt, die Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. 

Der Konflikt begann, als Ende Juni vergangenen Jahres der gültige Tarifvertrag auslief. Er hatte de facto eine Arbeitsteilung zwischen GdL und der anderen Bahnergewerkschaft EVG festgelegt: Bislang handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die kleinere GdL war für die rund 20.000 Lokführer zuständig – egal ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht. Nun wollen beide Gewerkschaften Abschlüsse aushandeln, in denen sich alle ihre Mitglieder wiederfinden. Die EVG würde dann auch für Lokführer verhandeln, die GdL unter anderem auch für Bordgastronomen und Lokrangierführer. 

Nachdem die ersten Tarifverhandlungen scheiterten, startete die GdL im September mit ersten Warnstreiks. Am 2. Oktober rief sie ihre Mitglieder zur Urabstimmung auf. 91 Prozent der 20.000 von der GdL aufgerufenen Mitglieder wollten streiken – 75 Prozent hätten ausgereicht. Nur eine Woche nach der Urabstimmung gingen die Lokführer in den ersten richtigen Streik. Er dauert neun Stunden. "Wir werden nicht sofort mit mehrtägigen Streiks losschlagen. Wir werden uns Stück für Stück steigern", sagte der GdL-Vorsitzende Claus Weselsky damals.

Bis Mitte November streikten die Lokführer immer wieder, anfangs 14 Stunden, dann 50, später sogar 64 Stunden. Dann war erst einmal Ruhe: Vier Monate wurde verhandelt, sondiert, es gab offizielle und informelle Gespräche. Bis zum 21. April. Nach insgesamt 16 Tarifrunden fehlten noch immer "Ergebnisse in zentralen Fragen", stellte die GdL frustriert fest. Und rief erneut zum Streik auf: diesmal 43 Stunden.

Anfang Mai erlebte Deutschland dann insgesamt 127 Stunden Streik im Personenverkehr und 138 Stunden im Güterverkehr. Es war der bis dato längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG. In der Lokführergewerkschaft selbst waren sie auch zu diesem Zeitpunkt vom Kurs ihres Vorsitzenden Weselsky überzeugt: Ein Streik müsse eben richtig weh tun, damit er etwas bringe. 

Ob diese Loyalität anhält, werden die nächsten Tage zeigen. Die GdL hat inzwischen die finanziellen Anreize erhöht: Für die neunte Streikrunde hat sie das Streikgeld für die teilnehmenden Lokführer von 75 auf 100 Euro am Tag angehoben.  

Wie lange der Streik dauert, ist unklar. Die GdL habe intern ein Ende festgelegt, werde es aber erst 48 Stunden vorher kommunizieren, sagte eine GdL-Sprecherin. Diese Taktik soll verhindern, dass der Streik als "unbefristet" bezeichnet wird. Denn das könnte wiederum Folgen haben, sollte die Bahn gerichtlich gegen den Streik vorgehen. Außerdem wolle man sich noch eine Eskalationsstufe aufbewahren, so die Sprecherin.