Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den neuen Streik der Lokführergewerkschaft GDL kritisiert. "Der Tarifstreit bei der Bahn ist für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen", sagte Gabriel der Bild-Zeitung. Alle Beteiligten müssten sich fragen, ob der durch den Streik verursachte Schaden noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung stehe. "Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen", forderte der Vizekanzler.

Die GDL will den Personenverkehr ab Dienstag für sechs Tage bestreiken. Im Güterverkehr soll der Ausstand schon am Montag anfangen und sieben Tage lang dauern, teilte die Gewerkschaft mit.

Im Personenverkehr startet der Streik am Dienstag um zwei Uhr morgens und soll bis zum 10. Mai um neun Uhr dauern. Im Güterverkehr soll bereits ab Montag um 15 Uhr gestreikt werden. Es wäre bereits der achte Streik in dem schon lange andauernden Tarifkonflikt.

"Erneut zwingt die Deutsche Bahn die eigenen Lokomotivführer, Lokrangierführer und Zugbegleiter zum Arbeitskampf", hieß es in der Mitteilung der Gewerkschaft. Ihr Vorsitzender Claus Weselsky will sich am Montag in Berlin zum Ausstand äußern. Die Deutsche Bahn bezeichnet den Streik als "maßlos und unangemessen".

Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag das neue Tarifangebot des Unternehmens zurückgewiesen und einen weiteren, langen Arbeitskampf angekündigt. Die Bahn hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu käme eine Einmalzahlung von insgesamt 1.000 Euro bis zum 30. Juni.

Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Die Bezahlung ist aber nicht Kern des Konflikts: Die GDL will nicht nur für Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter und Rangierführer eigene Verträge abschließen. Dies strebt auch die größere, konkurrierende Gewerkschaft EVG an. Die Bahn wiederum will unterschiedliche Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. Nur so könne man rasch zu Ergebnissen kommen. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir eine neutrale Instanz hinzuziehen müssen."

Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits siebenmal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt. Zuletzt hatten die Lokführer von 21. bis 23. April gestreikt. Eine Schlichtung hatte die Gewerkschaft bislang abgelehnt. Würde sie einer Schlichtung zustimmen, würde während der Verhandlungen eine Friedenspflicht gelten.