Die US-Regierung hat dem Shell-Konzern erlaubt, im Arktischen Ozean nach Öl und Gas zu bohren. Wie die New York Times meldet, soll die Genehmigung noch von ausstehenden Einzelbewilligungen abhängig sein. Bohrungen wären damit ab diesem Sommer möglich, schätzt der Konzern. Umweltschützer befürchten irreparable Schäden für das Ökosystem im Nordpolarmeer.

Die Erlaubnis gelte für die Tschuktschensee, die sich zwischen der Nordwestküste Alaskas und der Nordostküste Russlands befinde. Abigail Ross Hopper, Direktor der zuständigen Behörde im US-Innenministerium sagte, die Entscheidung werde der ökologischen und sozialen Bedeutung der Region gerecht. Jegliche Bohrung werde unter strikten Auflagen stattfinden.

Erst vor vier Monaten hatte die Regierung neue Bohrungen entlang der Atlantikküste erlaubt. Diese Entscheidungen stehen im Kontrast zu umweltpolitischen Maßnahmen unter Obama wie der verstärkten Regulierung von Treibhausgasen.

Umweltschützer werfen der Regierung vor, die Gefahr durch die Öl- und Gasförderung zu unterschätzen. Shell habe bisher nicht bewiesen, dass das Unternehmen verantwortungsbewusst im Arktischen Ozean agieren könne, sagte die Vize-Präsidentin der Umweltschutzorganisation Oceana, Susan Murray, der Zeitung.

Shell hatte erstmals 2012 in arktischen Gewässern nach fossilen Brennstoffen gebohrt. Nach mehreren Zwischenfällen entzog die zuständige Behörde jedoch die Genehmigung. Unter anderem waren zwei Bohrinseln auf Grund gelaufen und mussten abgeschleppt werden. In einer Untersuchung warf das Innenministerium Shell vor, elementare Sicherheitsauflagen missachtet zu haben. 

Unter dem Arktischen Ozean werden riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet. Nach Schätzungen des US Geological Survey könnten bis zu 90 Milliarden Barrel unentdecktes Öl in der Arktis lagern. Das sind 13 Prozent der noch nicht gefundenen Weltvorkommen. Hinzu kommen etwa 47 Billionen Kubikmeter Gas. Das entspräche etwa 30 Prozent der unentdeckten Vorkommen.