Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann hat eindringlich gefordert, den Mindestlohn in allen Branchen einzuhalten. "Wir werden eine Aushöhlung des Mindestlohns nicht zulassen", sagte er auf der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Es sei "völlig abstrus", wie Arbeitgeber und Teile von CDU und CSU gegen den Mindestlohn argumentieren.

"Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro, der seit Januar gilt, konnte nach zehn Jahren Auseinandersetzung ein historischer Erfolg errungen werden." Die Arbeitszeiterfassung, die Union und Arbeitgeber kritisieren, sei schon vor 90 Jahren gesetzlich geregelt worden. Wer sich jetzt dagegen wende, wolle zurück ins 19. Jahrhundert.

Auf einer Kundgebung in München sagte der IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel über den Mindestlohn: "Wer das Gesetz ändern will, der will betrügen." Die bekannt gewordenen Betrugsmethoden, dass etwa die Arbeitszeit manipuliert oder Zuschläge unrechtmäßig verrechnet werden, würden zeigen, dass nicht weniger, sondern mehr Kontrolle erforderlich sei.

Übergriffe in Weimar, Hamburg und Berlin

Im Zuge des 1. Mai kam es auch in diesem Jahr wieder zu Übergriffen. Während einer DGB-Maikundgebung in Weimar wurden 15 Menschen verletzt. Rechtsextreme bedrängten den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider. Die Rechten entrissen dem Politiker das Mikrofon und riefen rechtsradikale Parolen. Schneider twitterte: "40 junge Nationalisten haben gerade DGB-Kundgebung in Weimar während meiner Rede gestürmt, mich angegriffen und einen älteren Kollegen verletzt!"

Am Abend kam es in Hamburg zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Wegen "fortgesetzter Straftaten" aus dem Demonstrationszug wurde eine Maidemo mit etwa 700 Teilnehmern aufgelöst. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben den Zug schon wenige Meter nach Beginn im Stadtteil St. Pauli gestoppt, weil sich Demonstranten vermummt hatten. Auf die Beamten wurden Böller und Gegenstände geworfen, sagte ein Sprecher.

In Altona marschierten bis zu 1.000 weitere Menschen aus dem linken Spektrum. Auch dort wurden gleich zu Beginn Feuerwerkskörper gezündet und Gegenstände auf Polizisten geworfen. Die Beamten setzten schließlich Wasserwerfer ein.

Auch bei der sogenannten Revolutionären 1.-Mai-Demonstration in Berlin-Kreuzberg gab es am Abend Zwischenfälle. Vereinzelt wurden Steine auf Polizeiautos geworfen. Aus der Menge heraus wurden auch Knallkörper und bengalische Feuer gezündet. Am Rande des Demonstrationszuges gingen Reklametafeln zu Bruch. Die Polizei war mit 6.200 Beamten im Einsatz, hielt sich aber zurück. Wie in den Vorjahren waren mehrere Antikonfliktteams unterwegs. Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich insgesamt zufrieden, weil schlimmere Ausschreitungen ausblieben.