Die Euro-Finanzminister wollen von Griechenland mehr Tempo in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern. In einer Erklärung begrüßt die Eurogruppe "den Fortschritt, der bisher erreicht wurde". Gleichzeitig betonten die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen in Brüssel aber, dass "mehr Zeit und Anstrengung nötig sind, um die Lücken bei den offenen Fragen zu überbrücken".

Die Eurogruppe bewerte die Absicht der griechischen Regierung positiv, ihre Arbeit mit den Institutionen zu beschleunigen, hieß es in der Erklärung. Die jüngsten Fortschritte seien möglich geworden, nachdem "der Arbeitsprozess neu organisiert und verschlankt" worden sei. Dies habe "substanziellere Gespräche" mit Athen ermöglicht. Wie es die Vereinbarung vom 20. Februar vorsehe, werde die Eurogruppe erst darüber entscheiden, ob Geld aus dem laufenden Hilfsprogramm ausgezahlt werde, wenn sich die Institutionen auf Expertenebene geeinigt hätten.

Die Erklärung der Euro-Finanzminister sei "ein klares Zeichen, dass der Prozess fortgesetzt wird", sagte ein EU-Vertreter. "Das ist schon was." Ob es auch der Europäischen Zentralbank (EZB) ausreiche, wisse er nicht. Die habe ihre eigene Art und Weise, die Dinge zu tun. Die griechische Regierung hatte sich nach Angaben aus Athen von dem Treffen unter anderem erhofft, dass die EZB die erlaubte Schwelle für kurzfristige Staatsanleihen (T-Bills) anhebt, damit Griechenland flüssig bleibt.

Schäuble hält Referendum für möglich

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in einem Referendum zu Reformen in Griechenland einen möglichen Ausweg aus dem festgefahrenen Schuldenstreit. "Das wäre vielleicht sogar eine richtige Maßnahme, das griechische Volk entscheiden zu lassen", sagte Schäuble in Brüssel vor Beginn des Finanzministertreffens.

Da einige der Reformmaßnahmen – etwa im Arbeitsrecht und bei den Renten – in Griechenland höchst umstritten sind, hatte Ministerpräsident Alexis Tsipras Ende April ein Referendum ins Spiel gebracht.

Vor vier Jahren war der damalige Ministerpräsident Georgios Papandreou mit seinem Referendumsvorstoß auf Widerstand der Europartner und von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestoßen. Damals gab es im Gegensatz zu heute schon ein fertig ausgehandeltes Reformpaket.

Griechenland zahlt Schuldenrate an IWF zurück

Eine für Dienstag anstehende Schuldenrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Griechenland überwiesen. Dies berichtete der griechische Rundfunk unter Berufung auf das Finanzministerium am Abend. Es handelt sich um eine Tilgungszahlung an den IWF in Höhe von gut 756 Millionen Euro.

Die nächste Zahlung an den IWF steht am 5. Juni an und beträgt 302,5 Millionen Euro. Zwischen Juni und August muss Athen insgesamt 11,5 Milliarden Euro an den IWF und die EZB zurückzahlen, was ohne Hilfe von außen kaum zu stemmen sein dürfte. Zudem muss das Land Interessenten für die Erneuerung kurzfristiger Staatsanleihen über drei und sechs Monate mit einem Gesamtvolumen von 9,2 Milliarden Euro finden.