Auf den ersten Blick wirkt alles sehr routiniert: Bereits zum sechsten Mal seit Amtsantritt der Syriza-Regierung treffen sich am Montag die Eurofinanzminister. Die Abläufe? Sind eingespielt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erhöhte kurz vor Beginn der Verhandlungen den Druck: "Erfahrungen anderswo auf der Welt haben gezeigt: Ein Land kann plötzlich in die Zahlungsunfähigkeit rutschen". Der Kreditnehmer wiederum pocht auf einen Kompromiss.

Doch was eingespielt wirkt, hat einen dramatischen Hintergrund. Die Zeit läuft gnadenlos gegen Griechenland – und auch die Eurozone und die Weltwirtschaft könnten im schlimmsten Fall in Mitleidenschaft gezogen werden. Schon jetzt ist klar: Zumindest am Montag können die Griechen nicht mit der ausstehenden (und dringend benötigten) Tranche von 7,2 Milliarden Euro rechnen.

Athen hofft, dass sich die Eurofinanzminister zumindest auf eine Art politisches Statement einigen könnten. Das würde die jüngsten Fortschritte in den griechischen Reformbemühungen würdigen. Die Regierung soll etwa bereit sein, nun doch an der umstrittenen Immobiliensteuer festzuhalten und auf die im Wahlkampf versprochene 13. Rentenzahlung zu verzichten. Das politische Zeichen wäre: Ja, es ist schwer, aber wir Eurofinanzminister glauben an ernsthafte Reformbemühungen Griechenlands. Mit einem solchen Statement könnte etwa die Europäische Zentralbank weitere Nothilfen der griechischen Zentralbank billigen.  

Bereits am Dienstag muss die griechische Regierung rund 750 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen – und völlig unklar ist, ob sie diese Summe überhaupt aufbringen kann. Falls nicht, muss der IWF innerhalb weniger Monate den offiziellen Staatsbankrott Griechenlands erklären.  

Vier Szenarien gibt es für die kommenden 48 Stunden:

1. Die Eurofinanzminister einigen sich auf ein Statement und Griechenland schafft es, den IWF-Kredit zu bedienen.

Es ist wohl das beste Ergebnis, auf das Griechenland dieser Tage hoffen kann. Allerdings: Auch das verschafft nur kurzfristig Luft. Denn die Finanzierung des IWF-Kredits hat neue Lücken gerissen. Unklar ist, ob Griechenland nun am Ende des Monats seinen Rentnern und Bediensteten Gehälter und Pensionen auszahlen kann. Und gerade im Juni und Juli wird die Finanzlage besonders brisant: Dann erwartet die EZB eine milliardenschwere Rückzahlung.

2. Die Eurofinanzminister einigen sich nicht auf ein Statement und Griechenland bedient den IWF-Kredit.

Griechenland könnte zwar den unmittelbar drohenden Staatsbankrott abwenden. Aber die Eurofinanzminister erhöhen einmal mehr den Druck, indem sie ihre politische Unterstützung nicht gewähren. Es wäre eine Fortsetzung des zähen, erschöpfenden Verhandlungsmarathons der vergangenen Monate. Gerade bei Renten, Arbeitsmarkt und Steuern müsste Griechenland nachliefern, am besten gleich morgen, wenn die Verhandlungen in Brüssel fortgesetzt werden. Dass Athen wieder mehrere Tausende Staatsbeamte einstellen will, wo doch gespart werden soll, wäre für die Kreditgeber ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Noch mehr Unsicherheit bringt der Kurs der Syriza-Regierung. Premier Alexis Tsipras schließt ein Referendum über umstrittene Reformmaßnahmen nicht aus.