Kurz vor dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel ist eine Einigung der Gläubiger mit Griechenland kaum in Reichweite. Die Unterhändler können mittlerweile nicht mehr ausschließen, dass Griechenland eine Parallelwährung einführen muss, heißt es in einem Bericht der Welt.

Zwar seien die neuen Vertreter aus Athen "menschlich angenehmer" als vormals die Mannschaft um den griechischen Finanzminister Yannis Varoufakis, sagte einer der Unterhändler der Gläubiger-Troika der Welt. "Inhaltlich geht es dennoch nicht voran." Fortschritte über wichtige Reformen bei Rente, Arbeitsmarkt und Steuern ließen sich kaum feststellen.

Die Institutionen planten daher inzwischen mit einem positiven und drei negativen Szenarien, berichtet die Welt. Das positive Szenario sehe vor, dass Griechenland all seinen Verpflichtungen nachkomme, sodass Athen bis zum Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms Geld bekomme. 

Das erste negative Szenario geht dem Bericht zufolge davon aus, dass eine reformwillige Regierung bei dem Finanzminister-Treffen zwar substanzielle Vorschläge präsentiert, die Griechen dabei allerdings ihre finanziellen Reserven überschätzen.

Im zweiten Negativ-Szenario rechnen die Institutionen mit für sie unakzeptablen, halbherzigen Vorschlägen aus Griechenland. Im Laufe der nächsten Wochen werde Griechenland dann die Schulden beim IWF und der EZB nicht mehr tilgen können. Falls sich die griechische Regierung dann doch noch gutwillig zeige, mit den Europäern rasch Reformvereinbarungen abschließe und sich an die Tilgung ihrer Schulden mache, ließe sich die Situation noch kontrollieren.

In Szenario drei geht die Troika dem Bericht zufolge von einer völlig unkooperativen griechischen Regierung aus. Diese würde ihre Angestellten und Rentner dann in staatlichen Schuldscheinen, sogenannten IOUs bezahlen und damit die Einführung einer Parallelwährung beginnen.

Volksabstimmung nicht ausgeschlossen

In Athen war am Wochenende eine Krisensitzung der nächsten gefolgt. Befürchtet wird, dass ein Scheitern der Gespräche mit den Geldgebern zu unkontrollierbaren Entwicklungen führen könnte. Die Links-rechts-Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras schließt eine Volksabstimmung nicht aus, falls sie keine eigene Mehrheit für ein nötiges Gesetz über mögliche Steueränderungen zustande bekommt.  

In der Union wurde unterdessen auch ein drittes Hilfspaket für Griechenland nicht ausgeschlossen. Der CDU-Obmann im Haushaltsausschuss des Bundestags, Norbert Brackmann, sagte der Bild: "Natürlich spielen wir die verschiedenen Alternativen für Griechenland durch. Dazu gehört ein Grexit genauso wie ein drittes Hilfspaket."

CDU hält weiteres Rettungspaket für möglich

Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg (CDU), warnte allerdings davor, der Regierung in Athen voreilige Versprechungen zu machen. Zuerst müsse es konkrete Reformmaßnahmen geben. Die griechische Regierung habe noch "einen sehr weiten Weg vor sich bis zu einem dritten Hilfspaket".

Die linksgeführte Regierung in Athen verhandelt seit Monaten mit den Euroländern über die weitere finanzielle Unterstützung. Voraussetzung ist eine Liste mit belastbaren Reformen, die bisher nicht vorliegt. Die Euro-Finanzminister werden Athen deshalb am Montag voraussichtlich erneut auffordern, die Arbeiten zu beschleunigen, bevor Ende Juni das derzeitige Hilfsprogramm auslaufen würde.