Angesichts der akuten Finanzkrise Griechenlands warnt der Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, vor einer möglichen Staatspleite. "Die Zeit wird knapp", sagte er der Bild-Zeitung (Dienstag). Daher werde pausenlos an einer Einigung gearbeitet, denn ohne Einigung mit den Geldgebern könne sich Athen kein neues Geld leihen. "Dann droht eine Staatspleite."

"Das hätte Auswirkungen auf andere Gläubiger wie uns", sagte Regling weiter. "Andererseits vergibt der Rettungsschirm nur Kredite, wenn Reformen umgesetzt werden. Das gilt auch jetzt, nur so kann die griechische Wirtschaft gesunden." Regling betonte, dass der Rettungsschirm durchaus in der Lage sei, Griechenland weitere Milliardenhilfen auszuzahlen. Allerdings müsse sich Athen mit den Gläubigern auf eine verbindliche Reformliste einigen.

Die Linksregierung in Athen verhandelt seit Wochen mit der Europäischen Zentralbank, der EU und dem Internationalen Währungsfonds über die Freigabe der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm. Die Geldgeber verlangen von Athen weitere Wirtschaftsreformen. Der Zeitdruck wächst. Seit August 2014 hat Griechenland keine Finanzhilfen mehr erhalten, auch die EZB griff den Banken des Landes zuletzt weniger stark unter die Arme.

Erst am Sonntag sagte Innenminister Nikos Voutsis in einem TV-Interview, dass sein Land die im Juni fällige Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro an den IWF nicht leisten könne. Schon am 5. Juni wäre eine Rate von 300 Millionen Euro zu begleichen. Auch dazu sei Athen nicht in der Lage, sagte Nikos Filis, Parlamentsfraktionssprecher von Syriza. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte zuletzt von Fortschritten bei den Verhandlungen mit den Gläubigern gesprochen.