Mehr Grieche geht nicht. Wuchernder Bart, wuchernde Augenbrauen. Die meisten Menschen in Deutschland kennen ihn unter dem Namen Panagiotis Sarikakis, den Wirt aus der Lindenstraße. Im richtigen Leben heißt er Kostas Papanastasiou und ist auch Wirt. Seit Jahrzehnten besitzt er in Berlin ein Lokal, in dem politisch links gesinntes Publikum gerne einen Ouzo nimmt. Oder auch zwei. Zu Gast ist heute aber ein Mann, der sich von alleine wohl nicht hierher verirren würde.

Auf dem Bürgersteig vor der Taverne steht Wolfgang Bosbach. Mehr CDU-Politiker geht nicht. Anzug, Krawatte, akkurates Auftreten. Bosbach ist im Bundestag einer der letzten Vertreter dieses lebensbejahenden Konservativismus katholisch-adenauerischer Prägung. Ansehen hat er sich unter den Deutschen erworben, weil er als einer von wenigen CDU-Politikern offen der Griechenland-Politik der Kanzlerin widersprach und im Bundestag gegen das zweite Rettungspaket stimmte. Was denkt so einer über Griechenland und seine Menschen? Und wie macht er sich in einem linken griechischen Lokal?

Bosbach und Papanastasiou gehen aufeinander zu und geben sich die Hand. Bosbach nickt und lächelt viel, während ihn Papanastasiou über Versäumnisse der griechischen Wirtschaft in Kenntnis setzt. Dann führt der Wirt ihn in sein Lokal und lässt den Politiker und den Reporter mit einem Gläschen Ouzo allein. Giamas!

Die Griechenlandformel im Salat

Gehen Sie häufiger zum Griechen, Herr Bosbach? "Selten." Zu wenig Zeit, auszugehen. Bosbach isst lieber mit der Familie zu Hause. Haben Sie trotzdem ein griechisches Lieblingsessen? "Eher nicht." Bosbach ist kein verborgener Hellenophiler. Hätten wir das schon mal geklärt. Er bestellt einen griechischen Salat.

Bosbach überlegt meist nicht lange, wenn ihm eine Frage gestellt wird. Seine Antworten formuliert er in einfachen Sätzen, die von einer rheinischen Melodie in die Welt getragen werden. Waren Sie schon einmal in Griechenland, um die Lage selbst zu begutachten? "Nein", erwidert Bosbach, und kurz hat man das Gefühl, er glaube, sich erklären zu müssen. Es sei doch unmöglich, sagt er, im Urlaub auf einer Ägäisinsel oder in einer Delegationsreise die wahren Lebensumstände der Menschen zu erfassen.

Das stimmt. Erst wenn man sich länger mit den Leuten unterhält, bekommt man eine Ahnung davon, was die Krise für sie bedeutet.

Wolfgang Bosbach mit ZEIT-ONLINE-Redakteur Zacharias Zacharakis

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Diese Details, fährt Bosbach fort, seien aber hier auch nicht von Interesse. Ihm geht es um Grundsätzliches. Und dann sagt er etwas, das man eher von Linken erwarten würde: Es sei "problematisch, dass die Geberstaaten den Nehmerstaaten die Bedingungen diktieren, damit sie frisches Geld bekommen" Da sei es kein Wunder, dass die Griechen sich fremdbestimmt fühlten. So gesehen, liegen Bosbach und Griechenlands linker Premierminister Alexis Tsipras gar nicht so weit auseinander. Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied.

Der Salat wird serviert. Zwei schöne große Teller: Tomate, Gurke, Zwiebel, Feta-Käse, Oliven. Frisches Brot dazu. In so einem griechischen Salat lässt sich der Unterschied zwischen Bosbach und Tsipras ganz gut ergründen. Und der heißt: Euro oder nicht?