Der Internationale Währungsfonds verlangt laut einem Medienbericht von den Euroländern, dass sie teilweise auf die Rückzahlung der griechischen Schulden verzichten. Dies berichtet die Financial Times. Das Blatt beruft sich auf nicht genannte Quellen aus dem IWF. Der für Griechenland zuständige IWF-Direktor Poul Thomson habe die europäischen Finanzminister gewarnt, dass der Fonds andernfalls seinen Teil der letzten Tranche aus dem laufenden Hilfsprogramm nicht auszahlen werde.

Zur Begründung seiner Forderung nach einem Schuldenschnitt habe Thomson vorgebracht, dass Griechenland inzwischen zu weit von dem vorgesehenen Programm abgewichen sei. "Die Lücke zwischen den zwei Realitäten wird zu groß", sagte ein IWF-Vertreter dem Bericht zufolge. In diesem Jahr könne nicht wie geplant mit einem Überschuss im Primärhaushalt gerechnet werden, also mit höheren Einnahmen des Staates als Ausgaben – wenn die Schuldenrückzahlung außen vorgelassen wird.

Die Euroländer sind vor dem IWF die größten Kreditgeber Griechenlands und wehren sich bisher vehement gegen eine Umschuldung. Im laufenden Programm ist die Währungsunion allerdings auf die Hilfe des Fonds angewiesen, der etwa die Hälfte der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro tragen will.

Tsipras-Treffen mit IWF-Chefin Lagarde

Die Regierung in Athen hat gleichzeitig eine umfangreiche Kontaktrunde mit allen Geldgebern gestartet. Im Mittelpunkt stehe das akute Liquiditätsproblem des Landes, berichtete die griechische Finanzpresse. Die Regierung teilte mit, dass Finanzminister Yanis Varoufakis am Vormittag in Paris mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin zusammenkommen werde. Anschließend ist ein Treffen von Varoufakis mit EU-Währungskommissar Pierre Moscovici geplant.

Am Vorabend hatte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, gesprochen. Das Gespräch drehte sich just um die laufenden Verhandlungen Athens mit den Geldgebern, hieß es aus Regierungskreisen.