Nur spielen, malen, singen: Das reicht nicht mehr. Zwar tun Erzieherinnen – und ihre vergleichsweise wenigen männlichen Kollegen – in deutschen Kindergärten all das immer noch, aber das Spiel folgt einem höheren Zweck. Schon Kita-Kinder sollen heutzutage möglichst individuell gefördert werden, zum Beispiel in ihrer sprachlichen, musischen und motorischen Entwicklung. Sie sollen etwas lernen über die Welt, in der sie leben. Und ihre Betreuerinnen sollen in der Lage sein, die Fortschritte jedes einzelnen Kindes zu erkennen und spielerisch nachzuhelfen, wo nötig. Es sei eine Arbeit, die ähnlichen Anforderungen genügen müsse wie die des Grundschullehrers, sagen Forscher. 

Es ist das wichtigste Argument der Erzieherinnen im aktuellen Kita-Streik: Sie wollen für ihre anspruchsvoller gewordene Arbeit besser bezahlt werden als bisher. Und tatsächlich bringen immer mehr von ihnen auch höhere Qualifikationen mit. Die Zahl der Absolventen einschlägiger Studiengänge steigen jährlich um 14 Prozent und mehr. Dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung zufolge, herausgegeben vom Bundesbildungsministerium, der Robert Bosch Stiftung und dem Deutschen Jugendinstitut, haben im Jahr 2013 knapp 1.700 Personen einen früh- oder kindheitspädagogischen Bachelorabschluss erworben. Sechs Jahre zuvor war es nicht einmal ein Zehntel davon. Addiert man die Absolventenzahlen dieser Jahre, kommt man auf genau 6.104. 

Nach einer Akademikerschwemme klingt das nun gerade nicht, und das Fachkräftebarometer belegt dies auch. Im Jahr haben in Deutschland zuletzt rund 21.000 Erzieherinnen ihren Abschluss an einer Fachschule gemacht – das ist ein Vielfaches. Einen Abschluss als Sozialassistentin oder Kinderpflegerin, der etwas weniger voraussetzt und in der Regel in kürzerer Zeit an einer Berufsfachschule erworben wird, haben immerhin noch rund 17.000 erhalten. 

Dazu passt: Für rund 70 Prozent des pädagogischen und leitenden Kita-Personals in Deutschland ist der Fachschulabschluss die höchste berufliche Qualifikation. Rund 13 Prozent haben einen Berufsfachschulabschluss, sind also Sozialassistenten oder Kinderpfleger. Nur etwa fünf Prozent verfügen über einen akademischen Abschluss in der Früh- oder Kinderpädagogik. Unsere Infografik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat, zeigt die Verteilung jeweils für West- und Ostdeutschland. Berlin, das sich nicht eindeutig zuordnen lässt, wurde aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt. 

Ob für Akademiker oder nicht, durch den Ausbau von Kindergärten und Kinderkrippen boomt der Arbeitsmarkt in der Kinderbetreuung. Deshalb sind vergleichsweise wenig Erzieherinnen und Erzieher arbeitslos: dem Fachkräftebarometer zufolge rund 6.600. Die Anzahl aller Beschäftigten in Kindertagesstätten stieg zwischen 1998 und 2014 um 63 Prozent auf insgesamt rund 610.000 Personen. 522.500 davon, umgerechnet 86 Prozent, sind pädagogische Fachkräfte und Kita-Leitungen. Ein großer Teil der neuen Stellen sind allerdings Teilzeit-Arbeitsplätze.