Im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sind die Verhandlungen auf nächste Woche vertagt worden. Streiks werde es vorerst nicht geben, sagten Vertreter der Tarifparteien. Als neuer Termin sei Mittwoch im Gespräch. Dann starten auch die vereinbarten Schlichtungsgespräche zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn.

Der Konzern und die Gewerkschaft EVG hatten sich zuvor weiter angenähert. Weitgehende Einigkeit bestehe nun bei der Struktur des künftigen Tarifwerks. Auch bei den Themen Entgelterhöhung und Tariflaufzeiten gebe es Bewegung, hieß es. Nach EVG-Angaben bietet die Bahn nun an, alle Verträge zeitgleich enden zu lassen.

Die EVG-Verhandlungsführerin Regine Rusch-Ziemba hatte vorab mit Warnstreiks nach Pfingsten gedroht, sollte die zwölfte Verhandlungsrunde kein Ergebnis bringen. Sie sei nun aber zuversichtlich, dass es am Mittwoch zu einer Einigung komme. "Wenn wir dort nicht erfolgreich sind, gibt es immer noch die Möglichkeit, Warnstreiks zu machen", sagte Rusch-Ziemba.

Man habe sich vertagt, weil der Arbeitgeber noch einmal die Möglichkeit brauche, sich im Vorstand abzustimmen. "Die Bahn hat sich bewegt", sagte Rusch-Ziemba.

Die EVG verlangte nun bei den Verhandlungen ein etwas höheres Angebot beim Entgelt und eine kürzere Laufzeit des Tarifvertrags. Laut EVG hat die Bahn Erhöhungen von 3,4 Prozent und von 1,5 Prozent verteilt auf 28 Monate angeboten, verbunden mit einem Mindestbetrag von monatlich 65 Euro in einem ersten Schritt sowie 35 Euro in einem zweiten Schritt. 

Erst am Donnerstagabend war in dem zähen Tarifkonflikt der neunte Arbeitskampf der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu Ende gegangen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte nach Gesprächen mit der Arbeitgeberseite überraschend in eine Schlichtung eingewilligt.

Sowohl GDL als auch die größere EVG fordern mehr Einfluss beim Bahnkonzern. Das Unternehmen will in getrennten Verhandlungen mit den Gewerkschaften konkurrierende Abschlüsse vermeiden.  

Bsirske kritisiert Tarifeinheitsgesetz

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, kritisierte unterdessen das geplante Gesetz zur Tarifeinheit. "Wir lehnen das Tarifeinheitsgesetz ab, weil es zumindest indirekt ein Eingriff in das grundgesetzlich geschützte Streikrecht ist", sagte Bsirske vor der Verabschiedung der Regelung im Bundestag am heutigen Freitag.

"Wenn im Betrieb nur noch der Tarifvertrag der Mehrheitsgewerkschaft gelten soll, können Minderheitsgewerkschaften keinen eigenen Tarifvertrag mehr durchsetzen", sagte er. "Ein Streik wäre damit nach bisheriger Rechtsprechung der Arbeitsgerichte unverhältnismäßig." Tarifeinheit sei grundsätzlich erstrebenswert, damit Beschäftigte nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Aber dies müssen wir mit gewerkschaftlichen Mitteln erreichen", sagte Bsirske.