Die Bundesregierung hat mit den vier großen Energiekonzernen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW einen Kompromiss bezüglich der Atommüll-Rückführung erarbeitet. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) stellte das Konzept vor, das eine Zwischenlagerung von 26 Castorbehältern mit radioaktivem Atommüll in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein vorsieht. Die Castoren mit Atommüll muss die Bundesrepublik in den kommenden drei Jahren nach der Wiederaufarbeitung aus Frankreich und Großbritannien zurücknehmen.

Nach dem Gesamtkonzept des Bundesumweltministeriums sollen fünf Behälter mit mittelradioaktivem Abfall aus dem französischen La Hague bereits 2017 zum Zwischenlager im baden-württembergischen Philippsburg gebracht werden. 21 Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus dem britischen Sellafield will man dann bis 2020 relativ gleichmäßig auf die Lager bei den Atomkraftwerken Isar (Bayern), Biblis (Hessen) und Brokdorf (Schleswig-Holstein) verteilen.

Im Gegenzug zu dem Konzept erwäge die Energiewirtschaft laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, eine Klage gegen das Atomgesetz nicht weiter zu verfolgen. Mit dieser wollten die Energiekonzerne eigentlich erzwingen, dass die Castorbehälter doch noch in das Zwischenlager Gorleben gebracht werden. Diesen ursprünglichen Plan hatte der Gesetzgeber mit der letzten Atomnovelle aus dem Jahr 2013 ausgeschlossen. Seither streiten die Bundesländer darüber, wo der Abfall aus deutschen Kernkraftwerken zwischengelagert werden soll, bis einmal ein Endlager existiert.

Widerstand gegen Hendricks' Konzept kommt vor allem aus Bayern. Die Bundesländer waren dem Anschein nach nicht in die Gespräche eingebunden. "Wenn der Bund hier allein entscheiden will, stellt er eine Einigung bei der Energiewende insgesamt in Frage", sagte Bayerns Staatskanzlei-Chef Marcel Huber (CSU). "Einseitige Festlegungen des Bundes hier sind politisch unklug und dreist", so Huber. Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein hatten bereits eine grundsätzliche Bereitschaft für das Zwischenlagerkonzept signalisiert. Nur Bayern hatte bislang keine Bereitschaft erkennen lassen, den aus dem Ausland zurückgeführten Atommüll anzunehmen.

Wie die FAZ berichtet, weigern sich die Energieunternehmen allerdings, für die entstehenden Kosten der Zwischenlagerung aufzukommen, da in Gorleben schon ein bezahltes und zugelassenes Lager existiere. Die Einzelheiten des Konzepts wollen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW wollen erst noch prüfen.