Die Teilnehmer

Fast interessanter ist die Frage, wer nicht teilnimmt: Russland, das wegen der Annexion der ukrainischen Krim ausgeschlossen wurde – aus G 8 wurde wieder G 7. Somit kommen die Präsidenten und Regierungschefs der großen Industriestaaten USA, Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Japan. Gestärkt kommen Barack Obama und Kanadas Premier Stephen Harper nach Elmau – die Wirtschaft beider Staaten brummt – ebenso wie die deutsche. Bei Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, seinem japanischen Kollegen Shinzo Abe oder François Hollande aus Frankreich ist eher das Gegenteil der Fall. Großbritanniens Premier David Cameron hat durch seinen Wahlerfolg an politischem Gewicht gewonnen. Alle Teilnehmer werden begleitet von einer Vielzahl von Fachleuten, Protokoll- und Fachbeamten, Assistenten, alles in allem werden etwa 5.000 Menschen auf dem Gipfelgelände sein.

Barack Obama fliegt am Sonntagmorgen in München ein, um gemeinsam mit Merkel eine Bürgerveranstaltung nahe Schloss Elmau zu besuchen. Am Nachmittag kommen die Staats- und Regierungschefs sowie die Präsidenten der EU-Kommission und des Europäischen Rats zu zwei Arbeitssitzungen zusammen. Am Abend gibt es ein Arbeitsessen. Das Programm zum Gipfel ist hier zu finden.

Am zweiten Tag stoßen Vertreter des Irak und afrikanische Staaten hinzu: der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi, der tunesische Präsident Béji Caïd Essebsi, der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari, der äthiopische Ministerpräsident Hailemariam Desalegn, die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, der Präsident des Senegal, Macky Sall.

Außerdem sind wichtige internationale Organisationen vertreten: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, OECD-Generalsekretär Angel Gurría, WTO-Chef Roberto Azevêdo, der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, Guy Ryder, die Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Nkosazana Dlamini-Zuma.

Alle Berichte, Reportagen und Hintergründe zum G-7-Gipfel in Elmau: Klicken Sie auf das Bild! © Philipp Guelland/​Getty Images

Gemessen an der Wirtschaftsleistung, gehören die BIP-Schlusslichter Italien und Kanada gar nicht mehr zur G 7. China und Indien liegen nach den USA an zweiter und dritter Stelle, sind aber nicht Mitglied. Derzeit stehen die G 7 für ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung und 11 Prozent der Bevölkerung, aber für 49 Prozent der weltweiten Militärausgaben. Zahlen und Fakten zur G 7 hier

2.700 Journalisten aus aller Welt sind angemeldet. Der Großteil von ihnen muss vom Medienzentrum in Garmisch-Partenkirchen aus den Gipfel verfolgen. Insgesamt dauert das Treffen nur 24 Stunden.

Die Themen

Der Ukraine-Konflikt wird am Sonntag beim Abendessen im Vordergrund stehen. Die Führung der Ukraine hofft auf Waffenlieferungen aus dem Westen – Deutschland aber sagt Nein. Auswirken dürfte sich hier das Fehlen Russlands. Ohne Präsident Wladimir Putin geht bei der Lösung der Krise nichts.

Nahost, Syrien, Islamischer Staat, Boko Haram: Wegen der Bedrohung durch den islamistischen Terror hat Merkel Iraks Ministerpräsident, den tunesischen Präsidenten und dessen nigerianischen Amtskollegen eingeladen. Auch hier bedeutet das Fehlen Russlands eine Einschränkung, da die Moskauer Regierung jeden möglichen Vorstoß im UN-Sicherheitsrat blockieren kann. Zu Syrien gab es deshalb seit vier Jahren keine wirksame UN-Initative. Bei den Gesprächen am zweiten Gipfeltag dürfte es auch um das weltweite Flüchtlingselend gehen.

Für den Weltklimagipfel Anfang Dezember in Paris soll es Impulse geben. Doch vor allem Japan sperrt sich aus innenpolitischen Gründen gegen konkrete Zusagen. Kurz vor dem G-7-Gipfel ist noch unklar, ob im Abschlussdokument das Zwei-Grad-Ziel auftaucht. Die G 7 verursachen 26 Prozent des CO2-Ausstoßes.

Beim Thema Entwicklung geht es um die Vorbereitung des UN-Sondergipfels im September in New York. Das Folgeabkommen für die 2015 auslaufende Millenniumsagenda soll Entwicklungsziele erstmals mit ökologischer Nachhaltigkeit verbinden. Es geht darum, 500 Millionen Menschen bis 2030 aus Mangelernährung herauszuholen. Derzeit hungern 1,2 Milliarden Menschen, weiteren 800 Millionen droht Mangelernährung.

Auch die Vorbereitung der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung Mitte Juli in Äthiopien steht an: Die G-7-Staaten wollen Afrika bei Reformen unterstützen und stärken.

Angesichts der Ebola-Epidemie will sich Deutschland für einen koordinierteren Kampf gegen Tropenkrankheiten stark machen. Thema ist auch, die Wirksamkeit von Antibiotika trotz immer mehr resistenter Keime zu erhalten.

Die G 7 wollen einen Aktionsplan gegen die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere durch Mikroplastik auf den Weg bringen.

Nachdem sich die Weltwirtschaft von der Finanzkrise erholt hat, wollen die G 7 den weltweiten Handel stärken. Deshalb kommen auch die geplanten Handelsvereinbarungen vor allem mit den G-7-Partnern Japan, Kanada und USA zur Sprache, darunter das umstrittene Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP.

Deutschland strebt weltweite Umwelt- und Sozialstandards bei der Produktion von Kleidung und Lebensmitteln an – auch als Reaktion auf schwere Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch. Ein Präventionsfonds (Vision Zero Fund) sieht Brand- und Gebäudeschutz, Arbeitsinspektoren und Versicherungen gegen Arbeitsunfälle vor.

Der BND/NSA-Spähskandal dürfte lediglich am Sonntag beim Zweiertreffen Merkels mit Obama kurz zur Sprache kommen.

Eine Übersicht der bisherigen Gipfeldokumente findet sich hier.

Die Sicherheitsmaßnahmen

Die Bundespolizei geht mit ihrem Einsatz an die Grenzen: Das Schlosshotel Elmau liegt vier Kilometer vor Österreich. Die vorübergehend eingeführten Personenkontrollen an den Grenzen sollen Störer fernhalten. 17.000 Polizisten schützen den Gipfel. Die bayerische Polizei spricht vom größten Einsatz ihrer Geschichte. Auch Österreich mobilisiert 2.100 Polizisten. Das Schlosshotel und seine direkte Umgebung sichert das Bundeskriminalamt.

In Garmisch-Partenkirchen hat die Polizei aus Containern ein Gefängnis errichtet. Dort kann sie vorübergehend bis zu 160 Menschen einsperren. Kriminalbeamte arbeiten mit Richtern und Staatsanwälten vor Ort Hand in Hand.  

Das Tagungshotel Schloss Elmau

Weil Deutschland den G 7 derzeit als Präsident vorsteht, treffen sich die Mitgliedsländer hier. Die Bundesregierung wählte das Fünf-Sterne-Haus Schloss Elmau, das wegen seiner Abgeschiedenheit im bayerischen Wettersteingebirge der ideale Tagungsort für die Staats- und Regierungschefs ist. Es liegt etwa 100 Kilometer südlich von München in 1.000 Metern Höhe in einem malerischen Alpental. Es wurde 1916 von dem Philosophen Johannes Müller erbaut. 2005 zog ein Großbrand das Gebäude schwer in Mitleidenschaft. 2007 ließ es ein Enkel Müllers wieder aufbauen. Heute hat es etwa 150 Zimmer und Suiten. Vor über zehn Jahren entstand ein Anbau mit Appartements. Pünktlich zum Gipfel eröffnete ein Neubau mit mehreren Luxussuiten. Dort werden wohl auch die Spitzenpolitiker übernachten.

Das Gelände ist mit sieben Kilometer hochfestem Maschendraht eingezäunt. In Elmau ist es mindestens ebenso idyllisch wie 2007 im Seebad Heiligendamm, wo Russland noch dabei war. Um die Welt ging das Bild der Staatenlenker im Strandkorb: Wladimir Putin saß zu Merkels Rechten, US-Präsident George W. Bush, der zwischendurch krank wurde, zu ihrer Linken.

Protestcamp und Gegenaktionen

Das Aktionsbündnis Stop G 7 hat schon vor Monaten zum Protest gegen das Gipfeltreffen aufgerufen. Die Initiatoren beklagen, die Staatenlenker unterstützten eine neoliberale Wirtschaftspolitik, Krieg und Militarisierung. Die Folgen seien Ausbeutung, Armut und Hunger, Umweltzerstörung und Abschottung gegenüber Flüchtenden.

Weil die Welt auf Elmau blickt, nutzen viele unterschiedliche Protestgruppen die Tage für ihre Aktionen, wie etwa die Tierbefreier, die in München einen Schlachthof blockierten. Zu einer Großdemo in München kamen bereits etwa 30.000 Menschen. Ein großer Alternativ-Gipfel wurde dort ebenfalls organisiert. Mit kleineren Einzelaktionen nahe dem Tagungsort und einem Sternmarsch mit Abschlusskundgebung in Garmisch-Partenkirchen machen die Gipfelgegner auf ihre Anliegen aufmerksam.

Das Zentrum des Widerstands ist das Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen. Die Polizei rechnet mit gewaltbereiten Autonomen.

Die Kosten

Der Gipfel wird teuer: Für die etwa 24 Stunden Elmau-Treffen sind 130 Millionen Euro veranschlagt – annähernd 90.000 Euro pro Minute. Den Großteil bezahlt der Freistaat Bayern. Der teuerste Posten dürften die 17.000 Polizisten sein. Sie wohnen in Hotels und müssen verpflegt werden. Teuer war auch der Ausbau der Infrastruktur, ein Teil davon war aber ohnehin geplant und wurde nur für den Gipfel vorgezogen.