Langsam schreiten die Klimaverhandlungen voran, schnell steigen die Emissionen – so schien es bis vor Kurzem. Doch erstmals mehren sich die Anzeichen, dass sich das ändern könnte, und zwar weltweit. Die internationale Gemeinschaft kann beim Klimagipfel in Paris im Dezember den politischen Rahmen so setzen, dass aus diesen Anzeichen ein stabiler Trend wird. Dafür spielt der G-7-Gipfel auf Schloss Elmau eine zentrale Rolle: Hier können die wichtigsten Industrieländer das Signal senden, dass sie zu der notwendigen politischen Wende bereit sind.
Seit 2012 hat sich der Anstieg der globalen Kohlendioxid-Emissionen verlangsamt. Im vergangenen Jahr stagnierten die energiebedingten CO2-Emissionen zum ersten Mal – und das, obwohl sich die Weltwirtschaft nicht in einer Krise befand, sondern um etwa drei Prozent wuchs. In China, das bislang in diesem Jahrtausend die globale Emissionsentwicklung dominierte, stiegen die CO2-Emissionen 2014 nicht.
Ein wichtiger Grund dafür: Erneuerbare Energien werden in weiten Teilen der Welt wettbewerbsfähig. Ihr Ausbau vor allem in Deutschland sowie die günstige Massenproduktion überwiegend in China haben zu ständig sinkenden Preisen geführt. Ausschreibungen etwa in Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen, dass Sonnenstrom dort inzwischen günstiger erzeugt werden kann als Strom aus fossiler oder nuklearer Energie. Viele Beobachter rechnen mit weiter sinkenden Kosten.
Noch nie waren die Vorzeichen für einen Ausstieg aus den fossilen Energien so gut. Im Jahr des Klimagipfels von Paris, der mit einem globalen Abkommen eine neue Ära im Klimaschutz einleiten soll, ist Angela Merkel als Klimakanzlerin und G-7-Gastgeberin erneut gefragt.
Die klimapolitische Verantwortung der G 7
Angela Merkel erwarb sich ihre klimapolitische Reputation auf dem G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Damals setzte sie gegen den erbitterten Widerstand des damaligen US-Präsidenten George W. Bush in der gemeinsamen Gipfelerklärung einen Verweis auf massive Reduktionsziele und den vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC durch. Es war der Durchbruch dafür, dass sich die G 8 dann 2009 zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung verpflichtete.
Bei der UN-Klimakonferenz in Cancun 2010 wurde dieses Zwei-Grad-Limit von der gesamten Staatengemeinschaft beschlossen. Dort wurde sogar vereinbart zu überprüfen, ob wegen der großen Risiken insbesondere für viele afrikanische Länder und kleine Inselstaaten 1,5 Grad nicht die geeignetere Obergrenze wäre. Doch das abstrakte Temperaturziel allein war noch kein wirkungsvolles Signal zur Umsteuerung der Investitionen.
Um es mit Leben zu füllen und die gefährlichsten Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, müssen die G-7-Staaten nun konkretisieren, was es in der Praxis bedeutet: Den Ausstieg aus der energetischen Nutzung von Kohle, Öl und Gas bis Mitte des Jahrhunderts. Das ergibt sich aus den neuesten Daten des Weltklimarats IPCC, die im vergangenen Jahr vorgestellt wurden.
Werden die G-7-Staaten nun in Elmau ankündigen, dass das Ende des fossilen Zeitalters angebrochen ist? Die weltweiten Entwicklungen lassen das erstmals als möglich erscheinen. Eine solche Ankündigung, die dann im Dezember in ein entsprechendes Ziel des neuen Klimaabkommens in Paris mündet, könnte den Abschied von der Kohle einläuten.