Blickt man auf die vergangenen Monate zurück, in denen Griechenland mit den ehemals Troika genannten Institutionen verhandelt hat, wird deutlich, was sich künftig ändern muss. War nach der Wahl in Griechenland noch eine Aufbruchsstimmung zu spüren, hat sich inzwischen Ernüchterung breitgemacht. Die Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen und das auf beiden Seiten fehlende Bekenntnis zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone haben die wirtschaftliche Situation wieder deutlich verschlechtert.

Denn wer ist in Griechenland schon bereit, in einer solchen Lage, langfristige wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen? Auch der griechische Bankensektor steht von mehreren Seiten unter Druck: Da Unternehmen und Bürger dringend notwendige Investitionen zurückhalten, ist das Neugeschäft bei der Kreditvergabe fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Institute haben zudem ein Liquiditätsproblem, das sich immer weiter verschärft. Allein in der vergangenen Woche ist eine Rekordsumme von einer Milliarde Euro an Einlagen abgezogen worden. Und der bisher mit bis zu 38,8 Prozent schon erschreckend hohe Anteil von faulen Krediten bei den vier relevanten griechischen Banken ist noch mal gestiegen.

Ein weiteres großes Problem ist das Konsumverhalten der privaten Haushalte: Während die Griechen kurzfristige Ausgaben herunterfahren, steigen die Käufe von langlebigen Gütern, mit denen man Vermögenswerte auch über einen Währungswechsel retten könnte. Und zu guter Letzt hat der griechische Staat, um die IWF-Kredite bedienen zu können, Zahlungsrückstände in Höhe von mindestens fünf Milliarden Euro angehäuft. Das schädigt natürlich Unternehmen, die für den Staat Leistungen erbracht haben, aber dafür kein Geld bekommen.

Bei allen Punkten handelt es sich um einen sich selbst verstärkenden Prozess: Je länger die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Gläubigern andauern, desto prekärer wird die wirtschaftliche Situation und desto schwieriger wird es für das Land, vereinbarte fiskalische Ziele auch zu erreichen. Die sich hinziehenden Verhandlungen drohen also nicht nur für Griechenland, sondern auch für seine Gläubiger sehr teuer zu werden.

Nun sieht es so aus, als ob es in Kürze zu einem Kompromiss kommen könnte und die letzte Tranche aus dem zweiten Hilfspaket ausgezahlt wird. Der Kern des Problems ist damit aber keineswegs gelöst. Die ökonomischen Probleme in Griechenland werden uns noch in den kommenden zehn bis 20 Jahren beschäftigten. Hinzu kommt, dass das Land möglichst rasch ein drittes Rettungspaket braucht, über das bislang noch kein Wort verloren wurde. Die politische Unsicherheit wird somit anhalten, das Risiko eines innenpolitisch motivierten Euro-Austritts ist keineswegs gebannt.

Nicht nur die Haushaltslage ist wichtig

Beide Seiten müssen deshalb Konsequenzen aus den Verhandlungen der vergangenen Monate ziehen: Erstens braucht es eine klare Zusicherung, dass Griechenland in der Währungsunion bleibt und die Gespräche allein vor diesem Hintergrund erfolgen. Nur so lässt sich die Unsicherheit für die wirtschaftlichen Akteure reduzieren. Zweitens müssen die Vereinbarungen eine längerfristige Perspektive eröffnen. Wenn immer nur für ein Quartal Klarheit besteht, unterbleiben langfristig sinnvolle Reformen und Investitionen. Aber genau das braucht Griechenland am dringendsten. Die restliche Eurozone sollte den Griechen mehr zeitlichen Spielraum einräumen, die vereinbarten Ziele zu erreichen. Nur so kann die griechische Regierung eine Investitionsstrategie entwerfen, die die Grundlage für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung bildet.

Die Verhandlungspartner müssen endlich davon abkommen, lediglich die Haushaltslage in Griechenland zu betrachten. In den vergangenen Monaten ging es viel zu sehr um die absolute Höhe des Primärüberschusses. Wichtiger wäre es, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass die griechische Wirtschaft wieder wächst.

Um das zu erreichen, muss sich der öffentliche Sektor in Griechenland neu aufstellen. Er sollte nicht Kostgänger des Landes sein, sondern Dienstleister. Entlassungen von Beamten in die (für den Staat teure) Pension, wie es in der Vergangenheit auf Anraten der Troika geschehen ist, sind weder fiskalisch sinnvoll noch haben sie einen Beitrag zu einer effizienteren Verwaltung geleistet, eher im Gegenteil. Viel wichtiger wäre es, den Einfluss der Parteien bei der Personalauswahl zurückzudrängen, externe Evaluation einzuführen, mehr Transparenz zu schaffen und moderne IT einzuführen.

Die Überwindung der Krise in Griechenland braucht Zeit und immer wieder neue Vereinbarungen zwischen allen Beteiligten. Klar ist aber auch: Eine Neuauflage des jüngsten Verhandlungspokers darf es nicht geben, das wäre zu teuer, auch für Deutschland.