Wie wahrscheinlich ist der Grexit, der Austritt aus dem Euro?

Schwer zu sagen. Eine Zahlungsunfähigkeit der griechischen Regierung hat nicht automatisch das Euro-Aus für Griechenland – also den Grexit – zur Folge. Auf jeden Fall kann keine EU-Institution, und auch nicht die Europäische Zentralbank, das Land aus dem Euro werfen. Das ist in den Verträgen schlicht nicht vorgesehen. Ein Grexit wäre also juristisches Neuland, was einen Austritt oder Rauswurf Griechenlands politisch und ökonomisch zwar nicht unmöglich, aber schwer möglich macht.  

Kurz erklärt - Was bedeutet Grexit? Schon seit 2009 wird in Politik und Medien vom Grexit gesprochen – dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Ein solches Szenario hat es noch nie gegeben – selbst Staatsrechtler sind sich über die juristischen Folgen eines Grexits uneinig.

Die Eurostaaten haben als Mitglieder der EU die gemeinsame Währung beschlossen, in den Verträgen ist von einem Austritt keine Rede. Eine Änderung dieser Verträge ist natürlich möglich, müsste aber von allen Mitgliedsländern – auch Griechenland – beschlossen werden. Regierungschef Tsipras hat das aber ausgeschlossen. 

Bekommt Griechenland eine Parallelwährung?

Solange Griechenland formal noch ein Euroland ist, darf es keine zweite Währung einführen. Das verbieten die europäischen Verträge. Ob sich das Verbot allerdings auch auf sogenannte Schuldscheine erstreckt, ist unklar.

Das wäre eine Art Parallelwährung, die Griechenland einführen könnte, falls die EZB die Finanzierung des Landes stoppt: Weil dem Staat Barmittel fehlen, zahlt er Beamte und Rentner zumindest zum Teil mit Schuldscheinen aus. Um überhaupt noch Geschäfte machen zu können, würden Händler und Dienstleister diese Schuldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren. Wegen des Risikos wären die Schuldscheine allerdings weniger wert als der Euro.

Die Schuldscheine werden in der Finanzwelt IOU genannt, nach dem Englischen "I Owe You" ("Ich schulde dir"). Kalifornien griff im Sommer 2009 erfolgreich auf das Hilfsmittel zurück, um eine Pleitephase zu überbrücken. In Argentinien dagegen hat die Einführung solcher Bonos genannten Schuldscheine nicht gut funktioniert, weil sie von vielen Unternehmen oder Kreditkartenfirmen nicht als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Ohne Hilfen des IWF stürzte das Land 2011 ins Chaos, am Ende musste die Regierung die Staatspleite verkünden.