Kurz vor dem mutmaßlichen Finale im Schuldenstreit hat die griechische Zentralbank eindringlich vor einem Scheitern der Verhandlungen der Regierung mit den internationalen Geldgebern gewarnt. Eine Einigung mit den Europartnern und dem IWF sei von historischer Notwendigkeit. In seinem Bericht zur Lage der griechischen Wirtschaft warnt der Notenbankchef Ioannis Stournaras: "Ein Fehlschlag der Verhandlungen wird der Anfang eines schmerzhaften Kurses sein."  

Die Krise werde in diesem Fall "unkontrollierbar" werden, mahnte Stournaras. Das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit müsse nun ein für allemal vermieden werden. Zumal ein Kompromiss in wichtigen Fragen bereits gefunden sei und nur noch wenige Probleme ausgeräumt werden müssten. Das, was die Gläubiger und Athen noch von einer Vereinbarung trenne, sei "klein", stellt der Notenbankchef fest. Außerdem hätten die Griechen von heute nicht das Recht, ihren Nachfahren dieses Problem zu übertragen.

Außerdem warnt die Zentralbank, dass sich der wirtschaftliche Abschwung des Landes im zweiten Quartal wohl beschleunigen werde. Die anhaltende Krise habe dazu geführt, dass von Oktober bis April bereits rund 30 Milliarden Euro an Einlagen von den griechischen Banken abgezogen worden seien. 

Steuereinnahmen hinter den Erwartungen

Und auch die Steuereinnahmen Griechenlands sollen nach übereinstimmenden Berichten der Finanzpresse in den ersten fünf Monaten des Jahres rund 1,7 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurückliegen. Ein Grund sei, dass viele Bürger die Fristen für die Zahlung von Steuern verstreichen ließen. Stattdessen versuchten sie, Steuern später in Raten zu zahlen. Zudem seien die Mehrwertsteuereinnahmen dramatisch gesunken, weil viele Bürger ihre Ausgaben so weit wie möglich einschränkten. Für staatliche Unternehmen wie die Elektrizitätsgesellschaft (DEI) sei dramatisch, dass viele Griechen nicht mehr ihre Wasser-, Strom- und Telefonrechnungen begleichen könnten. 

In Brüssel wird allerdings angesichts fehlender Spar- und Reformvorschläge aus Athen keine schnelle Lösung erwartet. Beim Eurogruppentreffen am Donnerstag werde eine Bestandsaufnahme der gegensätzlichen Positionen erwartet, sagte ein Eurozonen-Verantwortlicher am Mittwoch. Es sei keine lange Debatte zu Griechenland geplant. Es sei an Griechenland, neue Vorschläge zur Lösung des Schuldenstreits vorzulegen. Im Fall einer Einigung im Schuldenstreit könnte der Bundestag zu Beginn seiner letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause am 29. oder 30. Juni darüber abstimmen, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, Christine Lambrecht.

Die Forderungen von Euroländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) für die Freigabe von 7,2 Milliarden Euro zurückgehaltener Finanzhilfen will die griechische Regierung bislang nicht erfüllen. Ohne das Geld könnte Athen eine am 30. Juni beim IWF fällige Rate von 1,6 Milliarden Euro nicht begleichen. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte erst am Dienstag gedroht, die Schulden nicht zu bedienen.