EU-Kommissar Günther Oettinger hält einen Grexit für unvermeidbar, sollte es in den nächsten fünf Tagen keine Einigung geben. Man werde alles versuchen, um Griechenland in der Eurozone zu halten, sagte er am Morgen im Deutschlandfunk. Gelinge das nicht, sei man vorbereitet. "Der Grexit wäre für uns kein Ziel, aber er wäre unvermeidbar, wenn wir in den nächsten fünf Tagen keine Lösung bekommen." Sollte es so weit kommen, werde die Europäische Zentralbank Maßnahmen ergreifen, um Schaden für andere Euroländer abzuwenden, sagte der Kommissar für Digitale Wirtschaft.

Laut Oettinger gibt es nennenswerte Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern. Dennoch gebe es auch noch Meinungsverschiedenheiten, die es zu klären gelte. Es gehe vor allem um Differenzen über die Arten von Reformen, die Griechenland für neue Milliardenkredite der Gläubiger umsetzen muss.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis zeigt nach wie vor keine Kompromissbereitschaft. Sein Land sei noch immer mit Forderungen konfrontiert, die es nicht erfüllen könne, sagte er dem irischen Rundfunksender RTE. Dabei habe Athen alles getan, um den "seltsamen Forderungen" der Geldgeber entgegenzukommen. Von einem Grexit will er nichts wissen. Griechenland sei entschlossen, in der Eurozone zu bleiben, sagte Varoufakis.

Die Euro-Finanzminister hatten ihre Beratungen am Donnerstag ohne Ergebnis vertagt. Am Samstag wollen sie sich zu einer weiteren Krisensitzung treffen, um über Reformvorschläge für Griechenland und deren Bewertung durch die Institutionen aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank zu beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Zeit dränge: "Der Eurogruppe am Samstag kommt eine entscheidende Bedeutung zu." Auf Spitzenebene wird bis dahin weiter verhandelt: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras werde noch im Laufe des Tages mit der Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident François Hollande sprechen, sagt ein Vertreter der griechischen Regierung. Alle drei sind zur Stunde in Brüssel für das Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs, das am Mittag endet.

Es geht in den zähen Verhandlungen vor allem um eine in wenigen Tagen fällige Schuldenrückzahlung an den Internationalen Währungsfonds. Ein Zahlungsaufschub sei aber keine Option, sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Zum 30. Juni sei die Summe über 1,6 Milliarden Euro fällig. Athen ist bis Ende des Monats dringend auf die letzte Rate von 7,2 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket angewiesen.