Das griechische Parlament hat in nächtlicher Abstimmung den Weg für ein Referendum über weitere Sparmaßnahmen frei gemacht. Für den Plan von Ministerpräsident Alexis Tsipras stimmte die Mehrheit der Regierungskoalition aus der linken Syriza-Fraktion und den rechten Unabhängigen Griechen. Es gab 178 Ja-Stimmen, 120 Nein-Stimmen. In dem Plebiszit sollen die Bürger über verschiedene Sparvorschläge für Griechenland entscheiden.

Die Idee für ein Referendum hatte Tsipras bereits in der Nacht zum Samstag geäußert. Das hatte in der Eurogruppe eine extreme Verstimmung ausgelöst, sie kündigte daraufhin an, ihr Hilfsprogramm für Griechenland nicht zu verlängern. Nun droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit und auch der Grexit, also der Ausstieg aus dem Euro.

Tsipras hatte zuvor im Parlament gesagt, dass dieser Tag der Abstimmung dennoch "mit dunklen Farben in der Geschichte Europas" erhalten bleiben werde. "Wir werden nicht um die Erlaubnis von Herrn Schäuble und Herrn Dijsselbloem bitten, um das griechische Volk entscheiden zu lassen."

Tsipras bekräftigte, dass er in den langen Verhandlungen mit den Geldgebern alles versucht habe. "Sie wissen alle, dass wir viele Grenzen überschritten haben, um doch einen Kompromiss zu erzielen." Das sei ihm und seiner Regierung als Schwäche ausgelegt worden. Der Premier machte Geldgeber schwere Vorwürfe: "Sie haben uns dazu gedrängt, unsere Unterschrift unter ein Programm der Rezession und der harten Kürzungen zu setzen." Nun sei es an der Zeit, sich dem zu widersetzen.

"Die ist kein Bruch mit Europa, sondern mit dem Verhalten, dass uns in Europa abverlangt wird", sagte Tsipras. Das griechische Volk werde sich mit dieser Abstimmung davon befreien. Aus der Troika sollen die Institutionen werden, welche die Würde der Menschen wieder anerkennen würden. Tsipras verteidigte seine Entscheidung: "Wir haben nicht das Recht, mit unserer Unterschrift aus diesem Land für die nächsten zehn Jahre eine Schuldenkolonie zu machen."

Zuvor hatte Oppositionsführer Antonis Samaras dem Premier vorgeworfen, Griechenland in eine "biblische Katastrophe" zu stürzen. Zum Zeitpunkt, als Tsipras die Regierung übernommen habe, habe es "keine Haushaltslöcher, sondern Überschüsse" gegeben. "Es gab keine Angst, dass Renten oder Gehälter nicht ausgezahlt werden", sagte der Parteivorsitzende der Nea Demokratia. Dies alles habe ein Mann zerstört: Alexis Tsipras.