Es ist eine unscheinbare Seite mit nur einer langen Tabelle. Die letzte Seite des zwölfseitigen Reformvorschlags, den die Griechen am Montag präsentiert haben und der ZEIT ONLINE vorliegt. Darin stellt die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras ihren Gläubigern vor, welche Reformen sie plant, um im Gegenzug endlich die letzte Tranche aus dem auslaufenden Hilfsprogramm ausgezahlt zu bekommen.

Zwei große Reformgebiete hat sich die Syriza-Regierung vorgenommen: eine Steuerreform sowie Kürzungen bei den Pensionen. Insgesamt knapp acht Milliarden Euro will Griechenland so in den kommenden zwei Jahren einsammeln. Da es seinen Geldgebern zugesagt hat, in diesem Jahr einen Primärüberschuss (also ein positives Haushaltssaldo ohne Zinsausgaben) von einem Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen, müssen nun Einnahmen her – oder Athen senkt eben die Ausgaben.

Mehreinnahmen erhofft sich Athen vor allem durch höhere Mehrwertsteuersätze. Die Tsipras-Regierung ist ehrgeizig: Allein bis Ende 2016 will sie die Einnahmen mehr als verdoppeln, auf 1,36 Milliarden Euro. Der Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent wird zum Standard; für Energie, Grundnahrungsmittel und in Hotels gilt ein ermäßigter Satz von 13 Prozent und der "super-reduzierte Satz" von sechs Prozent wird bei Medizin und Büchern angewendet. Selbst das bisherige Tabu, die Mehrwertsteuersätze auf den Urlaubsinseln zu erhöhen, ist gefallen: Auch hier soll nun der normale Satz gelten.

Sozialabgaben sollen steigen

Griechenland liege damit noch immer unter dem EU-Durchschnitt, schätzt der Ökonom Zsolt Darvas von der Denkfabrik Bruegel in Brüssel. Trotzdem trifft die Maßnahme gerade ärmere Haushalte hart, schließlich konsumieren sie anteilsmäßig mehr als Wohlhabende. Zumal die Einkommen in Griechenland in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent gesunken sind. Dass Tsipras um jeden Preis für einen ermäßigten Steuersatz auf Energie kämpft, ist da wohl nur ein kleiner Trost.

Von Januar 2016 an will Griechenland außerdem einer Dauerforderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nachgeben und die Pensionen reformieren. Athen will großzügige Frühverrentungsregeln abschaffen und rechnet mit Einnahmen von fast einer halben Milliarden Euro – schließlich zahlt der reguläre Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben. Im Jahr 2025 soll das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren liegen. Einschnitte bei Rentenauszahlungen oder Beamtengehältern plant Tsipras indes nicht – das war eine rote Linie für seine Syriza-Fraktion.

Trotzdem brauchen die Sozialkassen Geld, deshalb sollen die Sozialabgaben steigen – unter Ökonomen eine umstrittene Maßnahme. "Das macht Arbeit teurer", sagt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Und senkt somit den Anreiz für Unternehmen, neue Jobs zu schaffen. Zuschüsse an besonders arme Rentner, bekannt als EKAS, sollen zudem bis zum Jahr 2020 durch ein anderes Hilfsinstrument ersetzt werden – hier verschont Tsipras gerade die ärmeren, älteren Griechen. Weitere Maßnahmen zur Entlastung der Pensionskassen sollen eine weitere halbe Milliarde Euro einbringen.

Mit Verve will Athen vor allem die Unternehmenssteuern angehen: 945 Millionen Euro erhofft sich Griechenland noch in diesem Jahr, indem Unternehmensgewinne ab 500.000 Euro (an anderer Stelle heißt es ab einer Million Euro) besteuert werden. Es ist der größte Posten, mit dem die Griechen planen. Die Regierung begründet den Schritt mit sozialer Gerechtigkeit: Nicht nur die Armen dürften belastet werden. Nach Informationen der griechischen Zeitung Kathimerini könnte dies rund 1.500 Firmen betreffen. 

Im kommenden Jahr soll die neue Steuer immerhin noch 405 Millionen Euro einbringen – sie soll also offenbar mittelfristig sinken. Ausgeglichen wird der Posten durch eine Erhöhung der Unternehmenssteuern von 26 auf 29 Prozent, die rund 15.000 Firmen zukünftig zahlen könnten. Im kommenden Jahr soll das 410 Millionen Euro bringen.