Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat den internationalen Geldgebern die Schuld daran gegeben, dass die Gespräche über die finanzielle Rettung seines Landes nicht vorankommen. Tsipras sagte vor den Abgeordneten seiner linken Regierungspartei Syriza, der Internationale Währungsfonds (IWF) trage eine "kriminelle Verantwortung für die heutige Lage". Es sei an der Zeit, dass die IWF-Vorschläge zur Lösung des Schuldenstreits "nicht nur von uns, sondern vor allem von Europa beurteilt werden", sagte Tsipras.

In dem Treffen sicherten zwei Oppositionsparteien, Potami und Pasok, der Regierung ihre Unterstützung bei den Verhandlungen zu. Potami-Chef Stavros Theodorakis sagte, alle Abgeordneten sollten für ein mögliches Abkommen zwischen der Regierung und den Geldgebern stimmen. Die neue Pasok-Vorsitzende Fofi Gennimata forderte die Bildung eines Verhandlungsteams aus mehreren griechischen Parteien. 

Tsipras sagte, es gebe bereits jetzt zu viele Verhandler mit verschiedenen Ansichten am Tisch. "Der IWF hat offen die Position einer Umschuldung unterstützt, während die anderen auf harten Maßnahmen beharren und das Thema der Umschuldung ausgeklammert haben."

Der IWF hatte zuletzt wiederholt auf weitere Reformen des Rentensystems und der Mehrwertsteuer gedrungen. Tsipras sagte dazu, die Fixierung auf Kürzungen und Sparmaßnahmen sei offenbar Teil eines politischen Plans, ein gesamtes Volk zu demütigen. Viele Regierungen wollten in Europa keine linke Politik dulden. 

"Wir sind bereit, mit unseren Partnern (...) für eine Lösung zu arbeiten", sagte Tsipras. Die Lösung könne aber nicht die Fortsetzung der Sparpolitik sein, auch dürfe ein Abkommen die Rentner nicht weiter belasten. Zudem müsse es das Thema des Schuldenbergs regeln. Die Debatte um den Austritt Griechenlands aus der Eurozone sollte ein für alle Mal beendet werden, forderte Tsipras. Er habe viele seiner Wahlversprechen zurückgenommen, um damit den Gläubigern entgegenzukommen.

Am Wochenende waren erneut Gespräche Griechenlands mit seinen internationalen Gläubigern ergebnislos beendet worden. Seit Monaten laufen Verhandlungen über die Bedingungen, zu denen in Aussicht gestellte Hilfen von 7,2 Milliarden Euro an Athen ausgezahlt werden sollen. Die Zeit für eine Einigung wird knapp, weil das Hilfsprogramm für Athen Ende Juni ausläuft. Dann muss Griechenland unter anderem dem IWF einen weiteren Kredit in Milliardenhöhe zurückzahlen.