Der griechische Premier Alexis Tsipras kämpft an zwei Fronten: In Brüssel muss er versuchen, den drohenden Staatsbankrott in letzter Minute abzuwenden. Daheim in Athen geht es um den Bestand seiner Regierung. In seiner Syriza-Partei wächst der Widerstand – vor allem Abgeordnete vom kommunistischen und linksextremen Flügel werfen Tsipras Verrat an den Wahlversprechen vor.

Seinen Anhängern hat Tsipras viel versprochen: Erhöhungen der Renten, Steuerfreibeträge und Mindestlöhne, milliardenschwere Sozialleistungen, 300.000 neue Arbeitsplätze. Nichts davon hat er bisher umsetzen können.

Stattdessen kommen auf die Griechen weitere Steuererhöhungen und Einschnitte bei den Renten zu. "Das alles ist eine große Enttäuschung", sagt Panos Karavelis. Der 45-jährige Angestellte hat im Januar Syriza gewählt, "weil ich wollte, dass der Sparkurs beendet wird". Jetzt sagt er: "Tsipras hat uns zu viel versprochen." Den Bruch mit den Gläubigern will Karavelis aber nicht riskieren: "Die Regierung sollte einen Kompromiss finden, der unsere Zukunft in der Eurozone sichert." So denken die meisten Griechen: Laut Umfragen wollen 77 Prozent am Euro festhalten.

Aber am kommenden Dienstag läuft das bereits zweimal verlängerte Hilfsprogramm aus. Zurückgehaltene Hilfsgelder von mehr als 18 Milliarden Euro würden dann verfallen – Mittel, die Griechenland dringend braucht, denn am Monatsende muss das Land fällige Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) von fast 1,6 Milliarden Euro tilgen. Ein Kompromiss würde den Weg zur Auszahlung der bereitstehenden Hilfsgelder ebnen. Voraussetzung dafür ist, dass die Vereinbarung zuvor vom griechischen Parlament gebilligt wird. Das müsste spätestens bis Sonntag geschehen.

Einfach wäre das nicht. Alexis Mitropoulos, ein führender Syriza-Politiker und Vizepräsident des Parlaments, warnt bereits, das Programm werde "Schwierigkeiten haben, durchs Parlament zu kommen". Der Abgeordnete Giannis Michelogiannakis will ebenfalls gegen das Abkommen stimmen. "Die Maßnahmen sind ein Verbrechen", sagt er.