Im Internetportal Iskra des linksextremen Syriza-Flügels Linke Plattform hieß es, die Gläubiger verlangten "die totale Unterwerfung und exemplarische Bestrafung des griechischen Volkes". Mit ihren Zugeständnissen in den Verhandlungen habe die Regierung die Gläubiger "auf den Geschmack gebracht, weitere barbarische Maßnahmen zu verlangen."

In Regierungskreisen wird immer häufiger der Verdacht geäußert, den Europartnern gehe es bei den Verhandlungen nicht mehr um eine Einigung. Das eigentliche Ziel sei ein "regime change", ein Machtwechsel in Athen. Anders sei nicht zu erklären, "dass die Gläubiger immer neue Forderungen nachschieben", sagte ein Regierungspolitiker.

Tsipras kann zwar damit rechnen, dass er bei der entscheidenden Abstimmung Unterstützung aus Kreisen der Opposition bekommt. Dennoch droht ihm eine Niederlage: Wenn ein Abkommen mit den Gläubigern nicht die Zustimmung der Abgeordneten der Koalitionsparteien erhält, müsse man Neuwahlen herbeiführen, sagte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis.

Der ultrarechte Koalitionspartner Partei Unabhängige Griechen (Anel) scheint nicht zu Kompromissen bereit. Der Anel-Abgeordnete Dimitris Kammenos publizierte jetzt auf seiner Facebook-Seite eine Fotomontage, die das Eingangstor des KZ Auschwitz zeigt. Der Spruch "Arbeit macht frei" über dem eisernen Tor ist durch die Worte "Wir bleiben in Europa" ersetzt – jenes Motto, mit dem Tausende Griechen in den vergangenen Tagen auf dem Athener Syntagma-Platz für einen Verbleib in der Eurozone demonstrierten. Kammenos argumentiert, Europa habe die Griechen in einen "ökonomischen Holocaust" geführt.

Zu einem Machtwechsel würde ein vorgezogener Urnengang aber wohl nicht führen – im Gegenteil: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Public Issue für die Syriza-Parteizeitung Avgi von der vergangenen Woche kommt die Regierungspartei auf 47,5 Prozent. Das ist ein Zugewinn von elf Prozentpunkten seit der Wahl Ende Januar. Tsipras hätte damit eine absolute Mehrheit im Parlament. Die konservative Nea Dimokratia liegt in der Umfrage weit abgeschlagen mit nur noch 19,5 Prozent auf dem zweiten Platz.