Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat den Kreditgebern vorgeworfen, die Gespräche über eine Einigung mit Griechenland zu torpedieren. Zu dem von den Gläubigern vergangene Woche vorgelegten Vorschlag sagte Varoufakis dem Tagesspiegel: "Einen solchen Vorschlag macht man nur, wenn man eigentlich gar keine Vereinbarung will."

Alle "über Monate ausgehandelten Annäherungen" hätten die Gläubiger mit Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche zurückgenommen, sagte Varoufakis. Nun würden sie das Gleiche fordern wie zu Beginn der Verhandlungen. Demgegenüber habe seine Regierung große Zugeständnisse gemacht. Sie biete einen Primärüberschuss im Haushalt, an dessen Wirkung er nicht glaube, sagte Varoufakis. Zudem habe Griechenland eine höhere Mehrwertsteuer angeboten, die sehr problematisch für die heimische Wirtschaft sei.

Varoufakis kritisierte zudem, dass die Gläubiger bisher keinen Vorschlag zur langfristigen Lösung der Krise akzeptiert oder vorgelegt hätten: "Wir wollen nicht einen zusätzlichen Euro für den griechischen Staat. Aber wir schlagen vor, dass die Schulden innerhalb der drei Troika-Institutionen umgeschichtet werden", sagte Varoufakis. So sollten die in den kommenden Jahren fällig werdenden Anleihen Griechenlands bei der EZB auf den Rettungsfonds ESM umgelegt und die dort ab 2021 fälligen Zins- und Tilgungszahlungen an das Wirtschaftswachstum gekoppelt werden. Ohne eine Lösung für diese Fragen werde keine Vereinbarung unterschrieben.

Varoufakis traf in Berlin Finanzminister Wolfgang Schäuble zu einem Arbeitsgespräch. Das Verhältnis der beiden Minister gilt seit Monaten als angespannt. Das Treffen am heutigen Montag jedoch beschrieb Varoufakis als produktiv. Es sei in "äußerst freundlicher Art und Weise" verlaufen. Nun gelte es, eine "gemeinsam entwickelte, geplante und vereinbarte Lösung" in der Schuldenkrise zu finden, sagte Varoufakis.

Zu der Delegation aus Athen, die am Nachmittag weiterreiste nach Brüssel, gehört neben dem Chefkoordinator Euclides Tsakalotos der engste Mitarbeiter von Regierungschef Alexis Tsipras, Staatsminister Nikos Pappas. Tsakalotos koordiniert die Verhandlungen zur Finanzkrise. Er wolle in Brüssel die Positionen seines Landes erläutern. Die Athener Regierung sei an einem guten Draht zur EU-Kommission interessiert, hieß es.  

Juncker sei ein "Freund Griechenlands"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sei "tatsächlich ein Freund Griechenlands", sagte Regierungssprecher Gabriel Sakellarides. Niemand könne der griechischen Regierung vorwerfen, sie sei nicht an einer Lösung interessiert. "Wir haben ein Dokument mit 47 Seiten geschickt", sagte Sakellarides. Bislang habe die griechische Regierung aber keine neuen Positionen oder Ideen seitens der Geldgeber gehört.  

Juncker hatte am Sonntag verärgert über Tsipras erklärt: "Um Freundschaften zu führen, muss man einige Mindestregeln einhalten." Er hatte Tsipras vorgeworfen, anders als vereinbart keine Gegenvorschläge zu den Sparvorschlägen der Gläubiger vorgelegt zu haben. Stattdessen habe Tsipras im griechischen Parlament Dinge erzählt, die nicht dem Verhandlungsstand entsprächen.