Die griechischen Banken bleiben vorerst geschlossen. Das sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras nach einer Krisensitzung seines Kabinetts. Zudem sollen Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden. Damit solle der Abfluss von Kapital ins Ausland verringert werden. Die Entscheidung fiel auf Empfehlung der griechischen Zentralbank.

Die Banken sollen bis zum 7. Juli geschlossen bleiben, berichtet der Guardian unter Berufung auf das griechische Finanzministerium. Pro Tag dürften nur 60 Euro abgehoben werden.

Tsipras rief die Griechen zur Ruhe auf. Die griechischen Bankeinlagen seien aber sicher. Auch die Löhne und Renten der Bürger seien garantiert.

Tsipras sagte zudem, er habe abermals eine Verlängerung des Rettungsprogramms um einige Tage beantragt, um das Referendum über die Reformforderungen am kommenden Sonntag abhalten zu können. Die Finanzminister der Eurogruppe hatten eine Verlängerung am Wochenende abgelehnt. Die verbliebene Tranche aus dem zweiten Rettungspaket wird nicht ausgezahlt, womit das Hilfsprogramm am Dienstag endet.

Anschließend hatte die Europäische Zentralbank (EZB) entschieden, den griechischen Banken kein zusätzliches Geld zu geben. Die bisher gewährte Nothilfe ELA (Emergency Liquidity Assistance) solle nicht über die bislang gewährten 90 Milliarden Euro ausgeweitet werden. 

Tsipras wirft EZB Erpressung vor

Der Vorrat an Geld, den die griechischen Banken an ihre Kunden ausgeben können, ist damit begrenzt. Deshalb sah sich Tsipras zu den Kapitalverkehrskontrollen gezwungen, um das Bankensystem zu retten. Der griechische Premier warf in dem Zusammenhang der EZB Erpressung vor.

In Finanzkreisen hieß es, auch die Börse in Athen werde zum Wochenauftakt nicht öffnen. Nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern befürchten Experten einen Börsencrash.

Mit Kapitalverkehrskontrollen versucht eine Regierung üblicherweise, die Flucht von Kapital aus dem Land im Krisenfall zu verhindern. Dazu kann sie zum Beispiel die Höhe von Zahlungen ins Ausland beschränken, oder die Summe, die die Bürger an Geldautomaten oder am Bankschalter abheben dürfen. Ziel ist es, die Banken zu stabilisieren.  

Um die Kontrollen durchzusetzen, können Konten eingefroren und Grenzkontrollen verschärft werden. Das jüngste Beispiel für die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen ist Zypern, das vor etwas mehr als zwei Jahren zu diesem Mittel griff, als seine Banken ins Straucheln kamen. Die Kontrollen gelten bis heute, wurden aber inzwischen gelockert.