Im erlauchten Kreis der wichtigsten Industrienationen der Welt gibt Japan diesmal den Außenseiter. Bis auf Japan haben alle anderen G-7-Staaten schon jetzt an die Vereinten Nationen gemeldet, wie viel CO2 sie in den kommenden Jahrzehnten einzusparen gedenken. Selbst die USA und Kanada sind an Bord.

Nur Japan ziert sich. Es hat zwar Ziele vorgelegt, doch die sollen erst einmal öffentlich im eigenen Land diskutiert werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Als Basisjahr wählten die Japaner das Jahr 2013. Da waren die CO2-Emissionen wegen der abgeschalteten Atomkraftwerke nach dem Fukushima-Unglück 2011 besonders hoch. Der hohe Referenzwert macht es einfacher, künftige CO2-Einsparungen als große Leistung zu verkaufen. 

Am Montagmorgen diskutieren die sieben Staats- und Regierungschef über die zukünftige Klimaschutzpolitik. Klimaschützer haben hohe Erwartungen, sie wollen konkrete und so verbindliche Ansagen wie möglich, damit die Weltklimakonferenz COP 21 Ende des Jahres in Paris ein Erfolg wird. Aus ihrer Sicht sind die Lager klar: Hier Deutschland, das mit seiner Energiewende voranschreitet und eigentlich noch viel ehrgeiziger sein könnte. Und dort Kanada und Japan, die hinter den Kulissen als Bremser auftreten.

Wie unterschiedlich die Interessen sind, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Ganz offiziell etwa unterstützt Japan den Ausbau der erneuerbaren Energien. Lieber noch aber spricht die Regierung von Clean Energies, das können dann etwa auch Kohlekraftwerke mit CCS-Technologie sein. Hinter den Kulissen betreiben Regierungsvertreter schon seit Wochen Wortklauberei. So heißt es etwa in einem Vorschlag für die Abschlusserklärung der G 7, dass alle Länder eine Entwicklung anstreben sollten, die im Einklang mit dem Zwei-Grad-Ziel stehe. Japan indes pocht auf eine laxere Formulierung: Nach Ansicht der japanischen Regierung reicht es schon aus, wenn man von einer Entwicklung angesichts des Zwei-Grad-Ziels spricht. Anstatt "rechtlich verpflichtender Zusagen" bevorzugt Japan nach Informationen von Klimaaktivisten lieber nur "starke Ziele".

"Unsere Pläne müssen doch realistisch bleiben", sagt ein Sprecher des Premiers ZEIT ONLINE. Schon jetzt liege der Energieverbrauch je BIP-Einheit in Japan 30 Prozent niedriger als in anderen G-7-Staaten. In einem Gastbeitrag für CNN kündigte Premier Shinzō Abe vergangenen Freitag an, bis zum Jahr 2030 die Energieeffienz noch einmal um 35 Prozent zu steigern.

Ob das seinen G7-Kollegen ausreicht? Deutschland macht immer wieder klar, dass es die anderen Industrienationen auf das Zwei-Grad-Ziel einschwören will. Die Bundesregierung will das Thema auf eine andere Ebene ziehen und es nicht nur technisch diskutieren, sondern auch moralisch: Schließlich geht es auch um Verantwortung. Aber ob da gerade Länder wie Japan mitziehen?

Japan profitiert von Kohleprojekten

Es würde bedeuten, dass man einigen etablierten Industrien sicherlich eine harte Zukunft zutrauen würde. Für Japan ist der Export von Kohletechnologien ein wichtiger Wirtschaftszweig. Über seine Entwicklungsbanken wie die Japan Bank for International Cooperation finanziert Japan, ähnlich wie übrigens auch Deutschland, zahlreiche Kohle- und Bergbauprojekte im Ausland. Einer Studie der Umweltorganisation WWF zufolge ist Japan einer der wichtigsten Finanziers von Kohleprojekten weltweit. Allein in den Jahren 2007 bis 2014 habe das Land Kohlekraftwerke und andere fossile Energieprojekte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar finanziert – laut WWF-Recherchen ist das fast drei Mal so viel wie Deutschland.

Davon profitieren wiederum japanische Unternehmen, indem sie neue Aufträge durch die Projekte im Ausland erhalten. Der börsennotierte Hitachi-Konzern etwa ist einer der größten Konzerne des Landes und mischt vorne mit beim Bau von Kraftwerken – egal, ob die Turbinen für ein Kohlekraftwerk oder ein Atomkraftwerk sind. Auch Mitsubishi Heavy Industries und Toshiba sind umsatzstarke Konzerne. Nach dem temporären Aus für die Atomkraft hängt Japan zu fast 90 Prozent an fossilen Energien zur Stromerzeugung. Und wenn die Hilfsorganisation Oxfam recht hat, dann arbeitet Japan zurzeit daran, Dutzende neue Meiler zu bauen.