Der Schlichterspruch hat nicht überzeugt: Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber haben im Kita-Tarifkonflikt keine Einigung erzielt. Die Gewerkschaft ver.di will nun die Mitglieder dazu befragen, ob die Empfehlung angenommen oder abgelehnt werden soll. Eine dritte Option wäre, dass sie sich dafür aussprechen, in einen weiteren Streik zu treten. Am 13. August sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. 

Auch die Verhandlungskommission des Beamtenbunds dbb kündigte eine Mitgliederbefragung an. "Bevor wir in die abschließenden Gespräche gehen, wollen wir aber ein detailliertes Stimmungsbild aus unserer Mitgliedschaft", sagte dbb-Verhandlungsführer Andreas Hemsing.

Beide Seiten hatten sich nicht auf die Übernahme des Schlichterspruchs verständigen können, wie Gewerkschaften und Arbeitgeber in Offenbach mitteilten. Die Schlichter hatten Erhöhungen für einzelne Berufsgruppen vorgeschlagen. Die Arbeitgeber waren dabei laut VKA-Präsident Thomas Böhle zu einem Abschluss auf Basis des am Dienstag vorgelegten Schlichterspruchs bereit. Mit der Empfehlung seien aber die "Grenzen der Belastbarkeit" erreicht, sagte Böhle.

Bei den Streikdelegierten von ver.di war der Schlichterspruch hingegen auf heftige Kritik gestoßen. Die Mitgliederbefragung soll nun in den kommenden fünf Wochen stattfinden, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske. In dieser Zeit soll es keine weiteren Streiks in kommunalen Kindertagesstätten geben. Den Mitgliedern empfehle er eine "ruhige, nüchterne Abwägung" zwischen dem vorliegenden Ergebnis und dem, was wünschenswert sei, sagte Bsirske. 

In der Frage der notwendigen generellen Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienst seien Gewerkschaften und Arbeitgeber weiter nicht auf einem gemeinsamen Nenner, sagte Bsirske. Der Schlichterspruch sei eine Etappe in dieser Auseinandersetzung. Die Mitglieder müssten jetzt entscheiden, "ob sie es für aussichtsreich halten, durch eine Fortsetzung der Streiks substanziell mehr erreichen zu können".

Die Schlichterempfehlung hatten der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) präsentiert. Von ihrem Vorschlag sind nach Angaben der Arbeitgeber 8 der 17 Entgeltgruppen betroffen. In der größten Gruppe, bei den Erzieherinnen, stehe eine Erhöhung von durchschnittlich 3,3 Prozent in Aussicht. Die Beschäftigten würden damit zwischen 33 und 160 Euro mehr bekommen. Die Gewerkschaften hatten ein Plus im Umfang von durchschnittlich zehn Prozent verlangt.

Begonnen hatten die Verhandlungen im Februar. Anfang Mai waren die Mitarbeiter der kommunalen Kindertagesstätten bundesweit in einen Streik getreten, der fast vier Wochen dauerte.

Die Gewerkschaften ver.di, GEW und dbb wollten bei den Verhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern ursprünglich durchsetzen, dass die 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Das sollte letztlich im Schnitt zu zehn Prozent mehr Gehalt führen. Die Empfehlungen der Schlichten liegen zum Teil deutlich darunter.