Äste krachen unter den Füßen, der Gesang der Vögel klingt wie Glockengeläut. Abdul Haman Mgawe geht voraus durch Tansanias trockenen Miombowald. Er ist ein Berg von einem Mann in seinem dunkellila Achselhemd, der Sekretär des Dorf-Komitees, das sich um den Erhalt von Wald, Wasser und Boden kümmert. Auf einer weiten Lichtung bleibt er stehen. Abdul Mgawe will zeigen, wie in seinem Dorf Köhler geschult werden – aus ökologischen Gründen.

Fünf Holzkohlenmeiler sind hier aufgebaut: höher oder flacher, mit einem oder zwei schmalen Schornsteinen, durch die der Rauch kanalisiert wird. Den größten Ofen räumen zwei Waldarbeiter gerade aus. Sie packen die Kohle in mannshohe Plastiktüten. Darin wird sie überall am Rand der Straße nach Morogoro oder Daressalam verkauft. Abdul Mgawe nimmt ein paar pechschwarze Stücke heraus: "Schauen Sie: viel weniger staubig als bisher", sagt er. "Hier lernt man, wie unsere Energie nachhaltiger hergestellt werden kann."

Man staunt: Holzkohle und nachhaltig? Das klingt nach tansanischem Greenwashing. Baumstämme zu verkokeln verursacht hohe CO2-Emissionen; und der Rauch, der durch das Kochen auf offenen Feuerstellen in geschlossenen Räumen entsteht, ist extrem ungesund. Außerdem: Der Miombo ist ein wertvoller Urwald. Die Rodungen gefährden Dutzende seltener Affen-, Vogel-, Insekten- und auch Pflanzenarten, die es nur hier in den Uluguru-Bergen gibt.

Trotzdem sind die Holzkohlemeiler, an denen die örtlichen Köhler geschult werden, ein Fortschritt. Denn wie weltweit 2,4 Milliarden Haushalten, so fehlt auch den meisten Tansaniern bislang jede Energie-Alternative zum Holz. Nur ein Viertel der Bürger hat Zugang zur öffentlichen Stromversorgung. Selbst in den Städten, wo man einen Anschluss kriegen kann, gehen oft mehrmals am Tag die Lichter aus. Auf dem Land werden Generatoren mit dreckigem Diesel angetrieben. Die Energienot behindert auch in Tansania, wo sich die Wirtschaft seit einigen Jahren entwickelt, einen schnelleren Aufschwung.

Brückentechnologie Holzkohle

Solarenergie wäre die perfekte Lösung, und die Regierung in Daressalam tut auch mehr dafür. Erneuerbare Energien sind jetzt zum Beispiel von Steuern befreit. Auch die internationale Unterstützung wächst: Die Weltbank hat gerade einen Kredit von 4,5 Millionen US-Dollar für solare Heimsysteme zur Verfügung gestellt.

Doch es wird noch lange dauern, bis sich Photovoltaik, Windkraft- oder Biogasanlagen flächendeckend ausgebreitet haben – und bis dahin ergibt es Sinn, das Holz, das ohnehin verbrannt wird, wenigstens effizienter zu nutzen. Sozusagen als Brückentechnologie.

"Es beginnt schon damit, dass die Stämme richtig getrocknet werden müssen", sagt Abdul Mgawe beim Holzlager, "mindestens zwei Wochen lang." Für den Meiler werden sie dann in zwei Reihen geschichtet, mit einem Abstand dazwischen, damit die Luft besser zirkulieren kann. Mit Lehm wird das Ganze so fest abgedichtet, dass kein Qualm mehr durch die Ritzen kommt. Das Holz verkohlt langsam, über fünf bis acht Tage. Fünf Kubikmeter ergeben jetzt zehn Säcke Kohle à 90 Kilogramm. "Das ist im Vergleich zu früher mehr als das Doppelte", sagt Mgawe. "Und wir versuchen, noch besser zu werden".

Im September wollen die Vereinten Nationen neue Entwicklungsziele verabschieden. Sie sollen auch für die reichen Industriestaaten gelten, nicht nur für die Armen – ein Paradigmenwechsel. Wir stellen jede Woche ein Ziel vor. Ein Klick auf das Bild bringt Sie zur Übersicht.

Vor drei Jahren haben Umweltorganisationen die Köhler-Kurse gestartet. Ohne Lizenz darf jetzt in dieser Region am Uluguru kein Bauer mehr Holzkohle herstellen. Und er darf nur noch Bäume aus abgegrenzten Beständen nutzen. Die Flächen rotieren, damit sich der Wald erneuern kann.

Kochkurse für weniger Emissionen

Dorf für Dorf bieten die Initiatoren außerdem Kurse an, wie die Familien emissionsärmer kochen können. Die üblichen Feuerstellen, wo der Topf auf drei Ziegeln über dem offenen Feuer schwebt, sollen durch Lehmöfen ersetzt werden. Dafür braucht man nur einfache Dinge: sechs Eimer Lehm, einen Sack Gras, zehn Ziegel, einen Eimer Wasser und drei leere Säcke. Die Form muss sich dem Standort anpassen, ebenso die Ausrichtung des Abzugsrohrs.

Die Bauern haben selbst meist kein Geld für Holzkohle. Sie nutzen Äste und Zweige aus Waldstücken. "Brennmaterial ist bei uns kein Problem", sagen die Männer im Dorf. "Von wegen!", sagen die Frauen.

Denn sie sind es, die zweimal in der Woche fünf, sechs Stunden lang zu Fuß in den Wald laufen, Äste sammeln und in Riesenbündeln auf dem Kopf nach Hause tragen müssen. Mit den Lehmöfen gehen sie nur noch einmal. So sparen sie nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch Kraft und Zeit.