Die Verhandlungen mit der griechischen Regierung zur Lösung des Schuldenstreits sind nach Angaben der EU-Kommission vorerst gescheitert. Es habe zwar einige Fortschritte gegeben, aber die Gespräche hätten nicht zum Erfolg geführt, teilte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde mit. Es blieben große Unterschiede zwischen den Plänen der Regierung in Athen und den gemeinsamen Anforderungen von Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). 

Die Vorschläge der griechischen Seite seien zudem unvollständig geblieben. Die weiteren Verhandlungen solle nun die Eurogruppe führen. Das nächste Treffen der Euro-Finanzminister ist für Donnerstag in Luxemburg angesetzt.


Griechenland strebt an, dass Kanzlerin Angela Merkel eine größere Rolle bei künftigen Verhandlungen einnimmt. "Eine Einigung könnte in einer Nacht erreicht werden", sagte Finanzminister Yannis Varoufakis der Bild-Zeitung. "Aber: Die Kanzlerin muss dabei sein." Deshalb setze sich die Regierung in Athen für einen Sondergipfel der Euro-Staatschefs ein. Gegenüber der Zeitung forderte er in der festgefahrenen Schuldenkrise einen Schuldenerlass für sein Land.

Zu den nun abgebrochenen Verhandlungen hieß es aus Kreisen der griechischen Regierung, die Forderungen der Gläubigerseite seien absurd. Ein Regierungsvertreter sagte, die Verhandlungen hätten nur 45 Minuten gedauert. Insbesondere sei der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Lage verantwortlich. Dessen Haltung sei "kompromisslos und hart", weil er weiter auf neuen Einschnitten bei den Renten und einer Erhöhung der Mehrwertsteuer bestehe. Beides will die griechische Regierung verhindern.

Die EU-Kommission hatte deshalb in den vergangenen Tagen eine weitere Sparoption aufgezeigt: Berechnungen der Kreditgeber zufolge könnte das Land durch Kürzungen der Militärausgaben jährlich 200 bis 400 Millionen Euro einsparen. Dieser Vorschlag hatte nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jedoch keine Zustimmung beim IWF. Der dementierte allerdings.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bleibe aber überzeugt, dass bis Ende des Monats eine Lösung gefunden werden könne, sagte die Sprecherin der Kommission. Voraussetzung sei, dass die griechische Regierung mehr Reformbemühungen zeige.

Gabriel kritisiert Griechenland

SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel schloss eine Rettung Griechenlands "um jeden Preis" ausgeschlossen. Er warnte in der ARD, dass in vielen Teilen Europas die Geduld zu Ende sei. In einem Gastbeitrag für die Bild schrieb er: "Die Spieltheoretiker der griechischen Regierung sind gerade dabei, die Zukunft ihres Landes zu verzocken."

Die Regierung in Athen verhandelt seit Monaten mit den internationalen Geldgebern über die Freigabe weiterer Hilfen in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. In gut zwei Wochen muss Griechenland 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen, über die es nicht verfügt. Scheitern die Gespräche, drohen Griechenland die Staatspleite und ein Ausscheiden aus dem Euro.