Der Schlichterspruch liegt vor, doch eine Einigung im Kita-Tarifstreit ist immer noch nicht absehbar. Die Gewerkschaften und der kommunale Arbeitgeberverband VKA setzen ihre Gespräche in Offenbach zur Stunde fort. Am Vorabend waren die Verhandlungen ohne Entscheidung nach nur eineinhalb Stunden unterbrochen werden.

Selbst wenn es bei den heutigen Verhandlungen ein Ergebnis geben wird, ist der Tarifstreit noch nicht ausgestanden. Denn die Gewerkschaft ver.di will noch ihre Mitglieder darüber abstimmen lassen. Dies soll in den nächsten vier Wochen geschehen. Auch neue Streiks schließt ver.di derzeit nicht aus. Darüber spricht die Bundestarifkommission am morgigen Freitag.

Basis der Verhandlungen ist eine Empfehlung der Schlichter, die je nach Berufsgruppe Einkommenssteigerungen von 2 bis 4,5 Prozent vorsieht. Die Arbeitgeber haben bereits signalisiert, dass sie mit dem Schlichterspruch leben könnten.

Bei ver.di wiederum stieß der Schlichterspruch auf deutliche Kritik. Eine Streikdelegiertenkonferenz mit mehr als 300 ver.di-Teilnehmern hatte am Mittwoch wesentlich länger als geplant über den Schlichtervorschlag diskutiert. Die Gewerkschaft bemängelt, der Schlichterspruch beinhalte keine Aufwertung der Berufe. Zudem würden die Sozialarbeiter von dem Schlichterspruch zu wenig profitieren.

Auch die sächsische Landeschefin der Gewerkschaft GEW, Ursula-Marlen Kruse, sprach von einem enttäuschenden Schlichterspruch. Dem Radiosender MDR Info sagte sie, das Ergebnis sei von dem, was man erhofft habe, "ziemlich weit weg". Daher seien auch neue Streiks möglich. Sie könne sich auch vorstellen, "dass das noch mal lange dauern könnte", sagte Kruse.

Die Schlichterempfehlung hatten der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) präsentiert. Sie verhandelten gemeinsam mit je zehn Vertretern von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite.

Von dem Vorschlag sind nach Angaben der Arbeitgeber 8 der 17 Entgeltgruppen betroffen. In der größten Gruppe, bei den Erzieherinnen, stehe eine Erhöhung von durchschnittlich 3,3 Prozent in Aussicht. Die Beschäftigten würden damit zwischen 33 und 160 Euro mehr bekommen. Die Gewerkschaften hatten ein Plus im Umfang von durchschnittlich zehn Prozent verlangt.