Die griechische Regierung hat nach Informationen der Athener Finanzpresse den Gläubigern harte Steuererhöhungen und Einsparungen angeboten, um die Schuldenkrise zu lösen. Ministerpräsident Alexis Tsipras "hat ein schweres Sparpaket nach Brüssel mitgenommen", schreibt Capital auf seiner Homepage.

Die von Tsipras vorgeschlagenen Maßnahmen sollen demnach in den kommenden eineinhalb Jahren fünf Milliarden Euro einbringen. Unter anderem solle der Mehrwertsteuersatz für Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln von 13 auf 23 Prozent erhöht werden. Die Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe solle von 6,5 auf 13 Prozent verdoppelt werden. Zudem sollen die Mehrwertsteuern in Tavernen, Restaurants und Cafés von 13 auf 23 Prozent steigen.

Neu eingeführt werden solle eine Sondersteuer auf Einkommen ab 30.000 Euro jährlich, die von ein Prozent stufenweise bis sieben Prozent steigen könnte. Unternehmen, die 2014 mehr als 500.000 Euro Gewinne hatten, sollen bis zu sieben Prozent Sondergewinnsteuer zahlen.

Erhalten bleiben solle eine Immobiliensteuer, die die linke Regierung eigentlich abschaffen wollte. Allein diese Maßnahme soll gut 2,6 Milliarden Euro an Einnahmen bringen. Inhaber von Jachten, Luxusautos und Schwimmbäder müssten noch tiefer in die Tasche greifen.

Die meisten Frührenten sollen nach dem Tsipras-Angebot abgeschafft werden. Das war eine der Forderungen der Geldgeber zur Sanierung des Rentensystems. Außerdem sollen die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die Renten- und Krankenkassen um zwei Prozent erhöht werden.

Als Gegenleistung fordere Athen unter anderem eine Umschichtung seiner Schulden, berichtet die griechische Finanzpresse. Zudem solle es ein umfangreiches Investitionsprogramm geben, damit die griechische Wirtschaft wieder wachse.

Aus offiziellen Quellen wurden diese Maßnahmen nicht bestätigt. Wie es aus Regierungskreisen hieß, sei alles noch auf dem Verhandlungstisch.

In den vergangenen Tagen hatten sich auch die Gläubiger auf Griechenland zubewegt: In diesem Jahr muss das Land nur noch einen Primärüberschuss von einem Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt erreichen. Ursprünglich hatten sie für dieses Jahr drei Prozent verlangt. Für das kommende Jahr wurden die Zielwerte auch halbiert, von 4,5 Prozent auf zwei Prozent. Auch diese Bedingungen will die griechische Regierung nun erfüllen, berichten Medien in Athen.

EU-Kommissar rechnet mit Einigung

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici rechnet nun mit weitreichenden Entscheidungen beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Abend in Brüssel. "Die griechische Regierung hat endlich begriffen, glaube ich, dass sie konkrete und solide Gegenvorschläge liefern muss", sagte Moscovici. Er gehe davon aus, dass eine Einigung erreicht werde. "Dieses Mal ist entscheidend."

In der belgischen Hauptstadt kommen ab Mittag die Finanzminister der Eurozone zusammen. Sie wollen prüfen, ob von Athen angekündigten Lösungsvorschläge ausreichen, um verbliebene Gelder aus dem Ende Juni auslaufenden Hilfsprogramm für das Land auszuzahlen. Am Abend treffen sich dann die 19 Staats- und Regierungschefs der Währungsunion zu einem Krisengipfel.