Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben ihren Tarifkonflikt nach einem Jahr beigelegt. Das haben die Schlichter Bodo Ramelow und Matthias Platzeck verkündet. "Es gibt seit gestern Abend einen Bundesrahmentarifvertrag Zug", sagte Ramelow. Damit ist eine zentrale Forderung der GDL erfüllt. Insgesamt seien 16 Verträge unterschrieben worden. Die Streikgefahr sei damit endgültig gebannt.

Der thüringische Ministerpräsident Ramelow (Linke) und der frühere brandenburgische Regierungschef Platzeck (SPD) hatten in dem festgefahrenen Tarifkonflikt fünf Wochen lang vermittelt. Platzeck sprach von schwierigen Gesprächen, bei denen nicht nur einmal darüber nachgedacht worden sei, die Verhandlungen abzubrechen. "Für zartbesaitete Gemüter" seien die Verhandlungen "nicht unbedingt geeignet" gewesen, sagte Platzeck. Gefunden worden sei nun ein "Abschluss mit Vernunft und Augenmaß".

Das zentrale Thema sei der Abbau von Belastungen für die Beschäftigten gewesen, sagte Ramelow. Unter anderem sei der Abbau von Überstunden als Aufgabe für beide Seiten vereinbart worden. 100 Zugbegleiter und 300 Lokführer würden nun zusätzlich eingestellt. Es gebe für Arbeitnehmer künftig auch die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu senken. Ramelow versicherte außerdem, dass nun bis mindestens 2018 Friedenspflicht gelte.

Ramelow hatte bereits am Dienstagnachmittag auf Twitter ein Lied von Marius Müller-Westernhagen zitiert und damit eine Einigung angedeutet: "Insider-Tipp: Fahrkarten kaufen & DB fahren! Ich lege mir jetzt MMW auf & höre Freiheit, ganz besonders die Stelle: die Verträge sind gemacht!"

GDL-Chef Claus Weselsky zeigte sich mit dem Schlichterspruch zufrieden und bekräftigte, dass die Friedenspflicht bis 2018 eingehalten werde. Er dankte den Bahnkunden, die ertragen hätten, "was wir ihnen angetan haben", sagte Weselsky.

Die GDL hat spürbare Einkommenserhöhungen und eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht. Die Entgelte steigen bereits zum 1. Juli um 3,5 Prozent und am 1. Mai nächsten Jahres um weitere 1,6 Prozent, sagte Ramelow. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 350 Euro.

Das entspricht dem Ergebnis, das die Bahn im Mai mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erzielt hatte. Nach Angaben von Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber profitieren 160.000 Kollegen. 2018 sinkt nach den Worten von GDL-Chef Weselsky die wöchentliche Arbeitszeit des Zugpersonals um eine Stunde auf 38 Stunden. Zudem gibt es Regelungen zur Altersteilzeit und zu Überstunden sowie Neueinstellungen.

Verhandlungen über ein Jahr, neun bundesweite Streiks

Knapp ein Jahr hatten Bahn und GDL nahezu ergebnislos verhandelt, neun Mal traten die Lokführer in den Streik und brachten den Bahnverkehr in großen Teilen zum Erliegen – bis zu fünf Tage am Stück.

Das Kernproblem der Auseinandersetzung bestand im Ziel der GDL, für jede der bei ihr organisierten Berufsgruppen einen eigenen Tarifvertrag abzuschließen. Dabei sollten die Tarifabschlüsse nach Ansicht der GDL inhaltlich auch abweichen können von Verträgen mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Die Bahn dagegen wollte widerspruchsfreie Regelungen für alle Mitarbeiter unabhängig von deren Gewerkschaftszugehörigkeit. Für gleiche Tätigkeiten sollte es gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitszeiten geben.

Zu den Gruppen, die von beiden Gewerkschaften umworben werden, gehören außer den Lokführern die Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und Disponenten/Planer. Insgesamt geht es um rund 37.000 Beschäftigte.