Mit Traktoren haben französische Landwirte sechs Straßen zwischen Frankreich und Deutschland blockiert, um Lastwagen mit deutschen Agrarprodukten an der Überquerung der Grenze zu hindern. "Wir haben schon zwischen 200 und 300 Lastwagen zurückgewiesen", sagte ein Sprecher der Landwirte. 

Die Bauern wollen mit der Aktion gegen "die Verzerrung des Wettbewerbs" protestieren. Sie machen osteuropäische Erntehelfer dafür verantwortlich, dass deutsche Landwirte ihre Waren günstiger produzieren können. Zeitgleich blockierten sie im Südwesten Frankreichs eine Autobahn und zwangen spanische Lastwagen zur Umkehr.

Die Aktion der regionalen Föderation der Bauerngewerkschaften (FDSEA) und der Gewerkschaft Jeunes Agriculteurs (JA) des Département Bas Rhin sollte mindestens bis zum Nachmittag dauern. Der regionale FDSEA-Vorsitzende Franck Sander sagte, nur Lastwagen mit Agrarprodukten aus Deutschland würden gestoppt. Mehr als tausend Landwirte beteiligen sich seinen Angaben zufolge an den Barrikaden.

Auf der Brücke Pierre Pfimlin südlich von Straßburg stoppten rund hundert Landwirte in gelben Warnwesten mehrere Lastwagen unter dem wachsamen Blick der Polizei. Da die Laster keine Agrarprodukte transportierten, konnten sie nach einigen Minuten weiterfahren. Laut einem Gewerkschaftsvertreter wurden in der gesamten Region aber etwa ein Dutzend Lastwagen mit landwirtschaftlichen Gütern aus Deutschland zur Umkehr gezwungen.

Auf der Autobahn A645 an der Grenze zu Spanien stoppten rund hundert Bauern mehrere Dutzend Laster und drohten, Fleisch oder Früchte für den französischen Markt auszuladen. Die Lastwagen blockierten mit rund zehn Traktoren die Autobahn und verursachten einen bis zu vier Kilometer langen Stau, wie der örtliche JA-Generalsekretär Guillaume Darrouy sagte.

Die Blockaden sind Teil der seit Tagen andauernden Protestaktionen der Bauern gegen die fallenden Preise für Agrarprodukte. Im Zuge der Proteste blockierten die Bauern bereits Straßen, Städte und den Zugang zu Touristenattraktionen wie den Mont Saint Michel in der Bretagne. Präsident François Hollande hatte vergangene Woche ein Krisenprogramm mit Steuererleichterungen und Lohngarantien im Umfang von 600 Millionen Euro angekündigt. Die Bauern protestierten dennoch weiter.

Jeder zehnte Viehzucht-Betrieb in Frankreich steht vor der Pleite

Nach Angaben von Agrarminister Stéphane Le Foll steht in Frankreich fast jeder zehnte Viehzucht-Betrieb vor der Pleite, insgesamt knapp 25.000 Unternehmen. Damit stünden 40.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Grund für die fallenden Preise von Produkten wie Milch, Rind- und Schweinefleisch sind sich ändernde Ernährungsweisen in Frankreich, der Rückgang der Nachfrage aus China und das russische Embargo für europäische Agrarprodukte.

Sander kritisierte, dass die Regierung keine Lösung für die Verzerrung des Wettbewerbs präsentiert habe. Er beklagte insbesondere die Unterschiede bei den Arbeitskosten. Durch den Einsatz von Arbeitern aus Osteuropa lägen diese in Deutschland teilweise deutlich niedriger als in Frankreich. Sander forderte "konkrete Lösungen". Die Landwirte wollen nach einem Treffen mit den Behörden in Straßburg am Montagnachmittag entscheiden, ob sie die Protestaktion fortsetzen.