Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat im Moment wahrlich genug um die Ohren: Ein Viertel seiner Syriza-Abgeordneten hat ihm wegen der Vereinbarung mit den Gläubigern die Unterstützung entzogen; sein politisches Überleben hängt deshalb von den Oppositionsparteien ab; Vertreter der Institutionen kommen nach Athen zurück und wollen Gespräche in den Ministerien beginnen; seine Regierung hat nur gut drei Wochen Zeit, eine Vereinbarung mit den Kreditgebern zu treffen, um nicht der EZB eine Tilgungsrate schuldig zu bleiben und damit die Staatspleite zu riskieren. Und zu alledem steht er womöglich vor Neuwahlen im Herbst.

Das Allerwenigste, was Tsipras deshalb derzeit brauchen konnte, war, dass sein redseliger Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis jetzt ausplauderte, dass er noch vor dem Start der neuen Regierung an einem Plan für ein paralleles Zahlungssystem in Griechenland gearbeitet hatte, wie die griechische Zeitung Kathimerini am Wochenende enthüllte. In einer Telefonkonferenz mit Investoren sagte Varoufakis demnach, dass Tsipras ihn einige Tage vor der Parlamentswahl am 25. Januar gebeten habe, einen Plan B für den Fall zu entwickeln, dass die Banken des Landes schließen müssten, weil ihnen die EZB nicht genügend Liquidität zur Verfügung stelle – wie es dann später tatsächlich passierte. Treffender gesagt ein Plan G, für den sogenannten Grexit aus der Eurozone.

Der Ex-Minister erklärte, er habe einen befreundeten IT-Fachmann eingeschaltet, um das Steuerdatensystem des Finanzministeriums zu hacken und es so heimlich "klonen" zu können. Denn das Generalsekretariat für die Steuereinnahmen sei, so Varoufakis, "von Brüssel gesteuert". Die Gläubiger hätten aber nicht wissen sollen, woran er arbeitete.

Das Parallel-Zahlungssystem sollte so arbeiten: Wenn der Staat Geld an eine Firma oder eine Person zu zahlen habe, sollte er diesen Euro-Betrag auf Schatten-Konten überweisen. Die Empfänger sollten den vom Staat geschaffenen Betrag dann wiederum nutzen können, um ihrerseits Überweisungen an andere Steuerzahler oder Unternehmen tätigen zu können.

Varoufakis bestätigte zwar nicht, dass sein Plan für den Fall eines Grexits bestimmt war. Klar ist jedoch, dass das System per Knopfdruck von Euro auf Drachme hätte umgestellt werden können. Manche Beobachter werten seine Enthüllung deshalb als Eingeständnis, dass die Syriza-Regierung monatelang den Ausstieg aus dem Euro vorbereitet habe. Man sollte sich davon allerdings nicht täuschen lassen.

Denn es liegt auf der Hand, dass eine Regierung angesichts einer so tiefen Krise des Landes und äußerst unsicheren Verhandlungen mit den Gläubigern einen Plan B haben musste. Es gibt keinen Zweifel, dass auch die Finanzministerien in allen anderen Euroländern Notfallpläne entwickelt haben für einen Grexit. Es wäre deshalb unverantwortlich gewesen, wenn die griechische Regierung sich nicht ebenfalls auf diesen Fall vorbereitet hätte.

Varoufakis war offenkundig von seinem Konzept überzeugt und erpicht darauf, es umzusetzen. "Wenn nötig, hätten wir parallele Liquidität geschaffen und Schuldverschreibungen in elektronischer Form als Zahlungsmittel herausgegeben", sagte er der britischen Zeitung Daily Telegraph. In der Nacht nach dem Referendum am 5. Juli habe ihm Tsipras jedoch bedeutet, dass er den Plan nicht umsetzen, sondern mit den Gläubigern eine Vereinbarung erreichen wolle. Deshalb sei er zurückgetreten.