Als Finanzminister Wolfgang Schäuble vor einigen Wochen gefragt wurde, ob er einen "Plan B" habe für den Fall, dass die Verhandlungen mit Griechenland scheitern, wollte er die Frage nicht beantworten. Inzwischen hat man in der EU und der Bundesregierung aber nicht nur einen Plan, sondern viele solcher Szenarien.

Sie sind der Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen, das zu erwarten ist, wenn die Griechen am Sonntag mit Nein stimmen. Rechtlich ist es nicht möglich, ein Land aus der Währungsunion auszuschließen. Die Griechen werden also weiter dem Euroraum angehören, solange das Land nicht selbst austritt  – allerdings würde ihnen der Rest der Währungsunion keine Euro mehr zur Verfügung stellen. Die EZB würde wahrscheinlich gleich am Montag die Geldzufuhr kappen. Für das, was dann geschieht, gibt es in Europa keine Erfahrungen, keine Prozeduren und kein Verfahren. Deshalb arbeiten alle Beteiligten mit Wahrscheinlichkeiten und Szenarien.

Als unwahrscheinlich gilt, dass Griechenland sofort eine neue Währung einführen würde. Zwar würde die griechische Wirtschaft davon profitieren, weil diese neue Währung an Wert verlieren und somit beispielsweise der Urlaub in Griechenland für Ausländer billiger würde. Doch zugleich würden Einfuhrprodukte wie Erdöl oder Medikamente für das Land erheblich teurer. Und vor allem: Eine Währungsreform ist eine enorme logistische Herausforderung: Bargeld muss gedruckt, Konten müssen umgestellt, Kreditverträge umgeschrieben werden. Dass ein heruntergewirtschaftetes Land wie Griechenland zu einem solchen Kraftakt in der Lage ist, gilt als unwahrscheinlich.

Deshalb kursieren auch Alternativszenarien. Sie sehen vor, dass Griechenland eine sogenannte Parallelwährung einführt. Der Euro wäre weiterhin amtliches Zahlungsmittel, aber weil es nun nicht mehr genug Euro gibt, gibt die Regierung in Athen zusätzlich eine Art nationales Zusatzgeld aus – zum Beispiel in Form von staatlichen Schuldscheinen. Der Staat würde Löhne und Gehälter in dieser Währung ausbezahlen und die Banken mit frischem Kapital ausstatten.

Die Gläubiger könnten in einem solchen Fall entweder vorerst darauf verzichten, ihre Euro-Schulden einzutreiben oder diese Schulden würden ganz auf die Zusatzwährung umgestellt und damit entwertet. Die EZB wiederum verzichtet in diesem Szenario darauf, das Land komplett vom Zahlungsverkehr abzuklemmen. Für einige Jahre – so die Hoffnung – lässt sich Griechenland auf diese Weise möglicherweise über Wasser halten, wenn alle Beteiligten guten Willen zeigen. Der große Vorteil: Wenn Griechenland in diesem Zeitraum seine Wirtschaft saniert, könnte es relativ einfach wieder der Eurozone beitreten.

Parallelwährung ohne Wert

Allerdings wären die Schuldscheine deutlich weniger wert als der Euro, weshalb der Lebensstandard in weiten Teilen der Bevölkerung rapide sinken würde. Und es besteht die Gefahr, dass die Regierung einfach immer mehr Schuldscheine ausgibt, um ihre Ausgaben zu finanzieren und sie so die Inflation anheizt. Und: Damit die Sache aufgeht, müsste die griechische Regierung eng mit den Gläubigern zusammenarbeiten. Ob sie dazu bereit wäre, ist aber nach den jüngsten Erfahrungen nicht klar.

Deshalb macht auch noch ein drittes Szenario in Berlin und Brüssel die Runde. Demnach würden die Griechen einfach versuchen, mit den begrenzten Euro, die sich im Land befinden, auszukommen. Die Regierung müsste die Ausgaben kürzen, die Importe von Waren aus anderen Staaten müssten reglementiert werden, damit nicht zu viel Bares ins Ausland abfließt. Die Regierung könnte die Geldversorgung nicht mehr kontrollieren.

Es gibt Länder, die das schon genau so handhaben. In Montenegro etwa ist der Euro Zahlungsmittel, obwohl das Land noch nicht einmal der EU angehört. Reich ist das Land damit allerdings nicht geworden.

Kurz erklärt - Was bedeutet Grexit? Schon seit 2009 wird in Politik und Medien vom Grexit gesprochen – dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Ein solches Szenario hat es noch nie gegeben – selbst Staatsrechtler sind sich über die juristischen Folgen eines Grexits uneinig.