Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat seine von der Eurogruppe verlangten Reformvorschläge vorgelegt. Die Liste sei eingetroffen, erklärte der Sprecher von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem, Michel Reijns, am Donnerstagabend auf Twitter. In den Vorschlägen willigt die politische Führung Griechenlands den Forderungen der internationalen Gläubiger nach umfassenden Umsatzsteuererhöhungen und Kürzungen bei den Staatsausgaben für Renten ein. Dagegen hatte sich die linke Regierung bislang gesträubt.

Die Budgetwirkung des griechischen Sparprogramms beläuft sich dem Vernehmen nach auf zehn bis zwölf Milliarden Euro. Demnach soll die Mehrwertsteuer für Hotels von 6,5 auf 13 Prozent und im Gastronomiebereich von 13 auf 23 Prozent steigen. Zudem solle die Möglichkeit von Frühverrentungen fast komplett abgeschafft werden. Die griechische Regierung will nach eigenen Angaben Finanzhilfen von 53,5 Milliarden Euro beantragen, um ihren Verpflichtungen beim Schuldendienst nachzukommen. Vorgesehen ist demnach ein Zeitraum bis Ende 2018.

Bereits am Freitag soll eine Abstimmung im griechischen Parlament über die Reformliste stattfinden. Damit will Tsipras den Gläubigern offenbar eine Garantie geben, dass das Land sich an die neuen Sparpläne halten will. Experten der Kreditgeber prüfen nun, ob das Angebot aus Athen ausreichend ist. Am Samstag soll es dann von den 19 Eurofinanzministern beurteilt werden. Im Idealfall könnten die 28 Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten die Vorschläge am Sonntag auf ihrem Sondergipfel in Brüssel billigen.

Die Athener Regierung hatte bis Mitternacht Zeit, um ihre konkreten Pläne vorzulegen. Falls die Geldgeber die Vorschläge akzeptieren, könnten sie ein neues Hilfsprogramm und eine Zwischenfinanzierung gewähren. Die griechische Regierung hat beim europäischen Rettungsfonds ESM ein drittes Hilfspaket mit drei Jahren Laufzeit beantragt. Allein im Juli ist Griechenland den Gläubigern 4,2 Milliarden Euro schuldig. Das fristgerechte Einreichen nährt die Hoffnung, dass die Gläubiger mit dem fast bankrotten Land gerade noch rechtzeitig eine Einigung erzielen können, um den befürchteten griechischen Austritt aus der Eurozone zu verhindern.

Neben dem Internationalen Währungsfonds forderte jetzt auch EU-Ratspräsident Donald Tusk eine Schuldenerleichterung, einer der Knackpunkte bei den monatelangen Verhandlungen. Griechenland führt seit Langem an, dass seine Schulden zu hoch seien, um sie zurückzahlen zu können. Das Land brauche deshalb einen Schuldenerlass, heißt es aus Athen. Deutschland sprach sich bislang deutlich gegen diese Idee aus.

Zurückhaltender gab sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in dieser Frage. Auf einer Konferenz in Frankfurt sagte er, eine Möglichkeit für eine Schuldenerleichterung werde in den kommenden Tagen diskutiert. Er sehe dafür aber nicht viel Spielraum.

In der griechischen Regierung regte sich Widerstand gegen ein drittes Rettungspaket. Energieminister Panagiotis Lafazanis warnte wenige Stunden vor Ablauf der Frist vor einer Vereinbarung mit den Gläubigern, die Griechenland und sein Volk "ausliefere, plündere und unterjoche". Die griechischen Wähler hätten am Wochenende gegen die Reformauflagen der Gläubiger gestimmt. Dieses Nein dürfe nicht zu einem demütigenden Ja gemacht werden.