Griechenland, war das was? In Amerika werden gerade ganz andere Themen diskutiert: Darf man die Südstaatenfahne noch hissen? Ist Immobilienmogul Donald Trump mit seinen Tiraden gegen Immigranten ein ernst zu nehmender Präsidentschaftskandidat? Und: Wie gefährlich ist das Baden im Atlantik? Schließlich gab es schon sieben Haiattacken in dieser Saison. Über die Krise in Griechenland wird dagegen in den Medien lediglich mehr oder weniger pflichtschuldig berichtet.

Doch im Weißen Haus sieht man das ganz anders. Präsident Barack Obama bemüht sich nach Kräften, die europäischen Staatschefs zu einer Lösung zu bewegen. Am Dienstag telefonierte Obama mit Griechenlands Premier Alexis Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Montag telefonierte er mit Frankreichs Staatschef François Hollande. Auch das Telefon von US-Finanzminister Jack Lew läuft heiß, nicht nur Finanzminister Wolfgang Schäuble, sondern auch IWF-Chefin Christine Lagarde standen auf seiner Anrufliste. Dutzende Telefonate dieser Art soll Lew laut der New York Times mit Europas Spitzenpolitikern allein in den vergangenen Wochen geführt haben. Sogar einen Sonderbeauftragten hat die US-Regierung nach Brüssel beordert.

Die Sorge Obamas gilt auch den wirtschaftlichen Konsequenzen eines Grexits für die restliche Währungsunion. Eine Schwächung des wichtigen europäischen Handelspartners ist gar nicht in seinem Sinne, sie könnte die so schwer erarbeitete Erholung Amerikas beeinträchtigen. Und ein schwächerer Euro drückt den bereits starken Dollar noch weiter nach oben. Das ist gar nicht gut für amerikanische Großkonzerne, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen. Am Dienstag meldete das US-Handelsministerium einen Anstieg des US-Handelsbilanzdefizits aufgrund nachlassender Exportnachfrage. Doch so beunruhigend all diese Folgen wären, sie wären sicherlich verkraftbar. Nach wie vor profitieren die USA von ihrem relativ abgeschotteten Binnenmarkt.

Kurz erklärt - Was bedeutet Grexit? Schon seit 2009 wird in Politik und Medien vom Grexit gesprochen – dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Ein solches Szenario hat es noch nie gegeben – selbst Staatsrechtler sind sich über die juristischen Folgen eines Grexits uneinig.

Nähert sich Griechenland Russland an?

Ein ganz anderes Thema sind jedoch die potenziellen geopolitischen Auswirkungen, sollte Griechenland aus der Eurozone aussteigen und ins wirtschaftliche Chaos versinken. Da ist Russland: Wladimir Putins Übergriffe auf die Ukraine haben zur Isolierung des Landes geführt. Ein Grexit wäre für Putin eine Möglichkeit, seinen Einflussbereich wieder zu vergrößern. Die Regierung von Premier Alexis Tsipras hat bereits Sympathien bekundet – nicht nur bei seinem Besuch im Kreml im vergangenen April. Ein Zugang zur Ägäis wäre die Erfüllung eines jahrhundertealten strategischen Traums der Russen, argumentierte jüngst Christos Kyrou, Experte für Konfliktlösung an der American University in Washington, in einem Essay.

Vor geraumer Zeit hat Russland angekündigt, die Flotte aufzurüsten und die Präsenz im Mittelmeer auszubauen. Unter anderem soll ein Stützpunkt in Syrien vergrößert werden. Mit Zypern gibt es ein Abkommen zur Nutzung des Hafens. Und laut Kyrou hat der Kreml auch Interesse an der Nutzung von Piräus, Griechenlands größtem Hafen. Damit würde Russland Zugang zu einem Nato-Mitgliedsland erhalten. Für die USA wäre das ein empfindlicher Schlag. Bisher haben die Griechen einen solchen Schulterschluss vermieden.