Er hat es Griechenland und Europa nicht leicht gemacht. Beileibe nicht. Alexis Tsipras hat seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten vor einem halben Jahr alles getan, um zu verhindern, was jetzt gerade passiert. Tsipras hat gekämpft, taktiert, gedroht – mit Russland, mit Yanis Varoufakis, mit dem Referendum. Und hat dabei fast die gesamte politische Elite des Kontinents gegen sich aufgebracht. Trotzdem beugt er sich jetzt einem dritten Spar- und Reformpaket, das für Griechenland harte Einschnitte vorsieht.

Spät, aber nicht zu spät hat der griechische Premier eingesehen, dass es für Griechenland nur eine Zukunft im Euro gibt, wenn er sich den Bedingungen der anderen Europäer und vor allem Deutschlands fügt. Der Preis dafür ist hoch. Allenfalls bei den Haushaltszielen für die kommenden Jahre hat sich Tsipras ein wenig Luft verschafft.

Aber wird das Programm die seit nunmehr sechs Jahren währende Krise in Griechenland beenden? Kurzfristig wohl nicht. Die Sparmaßnahmen dürften dem Land und seiner Entwicklung weiter schaden. Nur wenn auch die anderen Reformen, die Strukturmaßnahmen zügig umgesetzt werden, kommt die Wirtschaft wieder auf die Beine.

Die Griechen wissen: Er hat alles versucht

Aber die Alternative – eine Rückkehr zur Drachme – wäre für das Land wohl immer noch die größere Katastrophe. Es hat lange gebraucht, bis Tsipras verstanden hat, dass dieser Deal die einzige Möglichkeit ist, Griechenland in der Währungsunion zu halten. Er kann dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung bauen, trotz des mehrheitlichen Neins im Referendum. Die Griechen wissen: Er hat alles versucht.

Klar ist ihnen aber auch: Es gibt keine politische Alternative zu Tsipras. Alle vorhandenen (und demokratischen) Parteien und politischen Strömungen wurden durchprobiert. Konservative, Sozialisten – alle haben in der Krise regiert und am Ende ein Memorandum unterschrieben. Und wer will schon die alten Eliten zurück? Übrig geblieben ist nur Tsipras.

Und der nimmt für den Verbleib im Euro sogar in Kauf, dass seine Partei gespalten wird. Dabei wurde ihm in den Verhandlungen mit den Gläubigern oft vorgeworfen, er gehe zu sanft mit dem linken Flügel von Syriza um. Jetzt verweigern ihm die extremen Linken die Gefolgschaft. Sie wollen eine eigene, eine Art Drachme-Partei gründen. Die Folge: baldige Neuwahlen. Auf Dauer kann Tsipras nicht mit einer Minderheitsregierung weiterarbeiten. Das angekündigte Vertrauensvotum wird er kommende Woche wohl verlieren.

Und dann? Bisher sieht es danach aus, dass der Premier die Wahl für sich entscheiden wird – vielleicht sogar mit absoluter Mehrheit. Europa muss sich also mit diesem Mann dauerhaft arrangieren.

Den Weg vom Referendum bis zur Einigung können Sie in diesem Video nochmal nachvollziehen.

Griechenland - Vom Referendum bis zur Einigung