Nicht schon wieder! So mögen manche gedacht haben, als die Nachricht über die Ticker einlief: Neuwahlen in Griechenland. Aber diesmal ist vieles anders. Ein langfristiges drittes Kreditprogramm ist ausgehandelt und auf dem Weg der Umsetzung. Der alte und womöglich neue Ministerpräsident Alexis Tsipras hat die Chance, Griechenland endlich strukturell zu erneuern.

Mit den Wahlen am 20. September kann Tsipras die unliebsamen linksextremen Kräfte in der eigenen Partei loswerden und eine neue stabile Regierung bilden. Eine Regierung, die die Durchsetzungsfähigkeit hat, die Krise in Griechenland zu beenden. Und die die Kraft hat, den Staat umzubauen, und nicht einfach nur weiter spart. Aber ist es wirklich so einfach? Die Erfahrung aus fünf Jahren Griechenland-Krise lehrt: natürlich nicht.

Ein klarer Sieg für Tsipras in der dritten Abstimmung innerhalb von nur acht Monaten ist keinesfalls sicher. Tsipras und seine gespaltene Syriza-Partei liegen in den Umfragen zwar bei etwa 33 Prozent und damit immer noch weit vor der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia. Aber die abtrünnigen Linken und ihre neue Volkseinheit-Partei unter der Führung des bisherigen Ministers Panagiotis Lafazanis könnten Tsipras einige Wählerstimmen kosten. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die neue Gruppierung bis zu zehn Prozent erreichen könnte.

Wen sonst sollen die Griechen wählen?

Eine absolute Mehrheit für Syriza ist damit wohl außer Reichweite. Dabei war Tsipras nach dem Referendum am 5. Juli so beliebt wie nie zuvor. Das Nein gegen die Sparpolitik der Gläubiger aber lies sich in den folgenden Verhandlungen nicht halten. Jetzt muss die neue Regierung Sparvorgaben umsetzen, die härter sind als noch im vergangenen Jahr vorgesehen.

Die verhasste Immobilien-Steuer wird nicht abgeschafft, wie Tsipras versprochen hatte. Auch die Landwirte werden hart von den Steuererhöhungen getroffen. Das entsprechende Gesetz soll erst im Herbst beschlossen werden, trotzdem dürfte auch diese Wählergruppe nun in Teilen von Tsipras abfallen. Dabei hatte Syriza in den vergangenen Monaten und Jahren um die Gunst der traditionell eher konservativ eingestellten Landbevölkerung gekämpft und diese – wenn auch eingeschränkt – gewonnen.

Die zentrale Frage der Wahl wird sein: Wen sollen die Griechen wählen, wenn sie andere Politik wollen? Die neue Partei der früheren Syriza-Linken bietet an, was die Regierung in den monatelangen Verhandlungen mit den Gläubigern nicht durchsetzen konnte: ein Ende der Sparpolitik. Dass diese wohl nur zum Preis eines Euro-Austritts zu haben ist, dürfte eigentlich den meisten Griechen mittlerweile klar sein.

Und genau darin liegt die Chance von Tsipras: Den Euro will eine große Mehrheit der Griechen behalten. Deshalb könnte vielen Wählern eine gemäßigte Syriza lieber sein, als eine radikale Linke, die das Land wieder an den Rand des Abgrunds führt. Alle anderen relevanten Oppositionsparteien (Nea Dimokratia, Pasok und To Potami) bekennen sich zum neuen Kreditprogramm und haben es im Parlament gestützt. Auch der bisherige Koalitionspartner Anel hat für das dritte Paket gestimmt. Sollte letztere nichts ins Parlament kommen, könnte Syriza mit den neuen Liberalen von To Potami eine Regierung bilden. Ein Variante, die von den internationalen Gläubigern sicher favorisiert würde. Schließlich präsentieren sich die Liberalen als europatreue Reformer.