Roundup heißt Monsantos Pflanzengift. Erst dieses Mittel machte auch die rasche Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen möglich, wie Genmais und -soja, an denen Monsanto prächtig verdient. Sie werden genetisch so manipuliert, dass ihnen das Gift nichts anhaben kann. Inzwischen gibt es allerdings Dutzende von Herstellern, die Glyphosat-Produkte vertreiben; allein 93 verschiedene Mischungen sind in Deutschland zugelassen. Auch Bayer Crop Science, BASF Plant Science, Syngenta oder Pioneer verdienen mit dem umstrittenen Stoff viel Geld. Insgesamt sollen die Hersteller damit zurzeit weltweit rund 5,5 Milliarden Dollar umsetzen, sagen Schätzungen.

Und es wird regelmäßig mehr, denn je mehr Gentechnik sich auf den Feldern verbreitet, desto häufiger greifen Bauern zu Glyphosat, auch während der Wachstumsphase. Und da das Mittel auch den Ertrag steigert – weil wegen des fehlenden Unkrauts die Nutzpflanzen besser wachsen – nutzen auch immer mehr konventionelle Bauern die Wunderwaffe.

Die Landwirte lassen sich nicht abschrecken

Dem Agrarriesen Monsanto bescherte das zuletzt ein jährliches zweistelliges Umsatzwachstum und einen steigenden Gewinn nach Steuern, der seit 2011 jährlich um 20 bis 45 Prozent wuchs. Im vergangenen Jahr schossen Gewinn und Umsatz zwar nicht mehr ganz so arg in die Höhe. Ob das aber an der Diskussion über Gesundheitsgefahren gelegen hat, darf man bezweifeln. Nachdem die Krebsforscher der IARC im März das Ergebnis ihrer Studie bekannt gaben – das komplette Papier veröffentlichten sie da noch nicht – legte Monsantos Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln um 15 Prozent kräftig zu. Die Anwender scheint die Diskussion also eher nicht abzuschrecken. Die Investoren hingegen schon: Seit März fiel Monsantos Aktienkurs um 15 Prozent.

Natürlich könnten die Landwirte auch ohne den Bestseller arbeiten. Doch die große Frage ist: Was würden sie stattdessen gegen Unkraut tun? "Viele andere Unkrautvernichter sind noch schädlicher als Glyphosat", gibt Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut zu bedenken. Und wie würde sich ein Verbot auf Anbau und Ertrag auswirken? Die Gießener Studie hat die mögliche Wirkung eines Verbots untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Auch weil Resistenzen zunehmen, müsste dann insgesamt mehr Unkrautvernichtungsmittel gespritzt werden – und das mehrmals im Jahr, denn viele Pestizide sind nicht so wirksam wie Glyphosat.  

Dennoch würden die Landwirte wahrscheinlich geringere Erträge erzielen. Sie könnten auch wieder stärker aufs Pflügen setzen, also die maschinelle Unkrautvernichtung. Das allerdings brächte höhere Maschinenkosten mit sich und würde mehr Arbeitskraft erfordern. In Summe jedenfalls sänke die Leistung pro Hektar, während die Kosten stiegen. Bis zu 30 Prozent unrentabler könnte der Anbau dadurch sein.

Umstieg auf Öko-Landwirtschaft?

Die Folge wären steigende Preise für Nahrungs- und Futtermittel und höhere Importe aus anderen Ländern. Die EU könnte insgesamt 1,4 Milliarden Dollar an Wohlfahrtsverlusten erleiden. Den direkten Mehrertrag, den das Glyphosatspritzen bringt, weil die Pflanzen besser wachsen, beziffern Schmitz und Garvert demgegenüber auf 80 bis 200 Millionen Euro.

Das ist allerdings nur eine Meinung. Die Studie der Universität Göttingen geht etwas optimistischer davon aus, dass der Pflug wieder auf knapp doppelt so vielen Flächen zum Einsatz käme und der Pestizideinsatz insgesamt zurückginge. Theoretisch wäre es möglich, dass alle Bauern auf ökologische Landwirtschaft umschwenken und auf chemische Mittel verzichten, so wie es sich das Umweltinstitut erträumt.

Praktisch jedoch wird es bei der Verbotsdiskussion ums Glyphosat – so traurig es auch ist – eher darum gehen, was das kleinere Übel ist: die mögliche Gesundheitsgefahr oder die möglichen großen Ernteausfälle? Und das hängt dann wohl doch von der Dosis ab.