Die griechische Regierung hat für den Fall eines unfreiwilligen Ausscheidens aus dem Euro laut einem Bericht Ermittlungen gegen deutsche Unternehmungen vorbereitet. Der Notfallplan der Syriza-Regierung für einen Grexit habe unter anderem vorgesehen, deutsche Unternehmen mit Korruptionsprozessen zu konfrontieren, berichtet die griechische Zeitung Efimerida ton Syntakton. Ziel des Plans sei es gewesen, "die Kosten für den Bruch" für die Gläubiger zu erhöhen.

Ein weiterer Punkt in dem Plan waren dem Bericht nach Verstaatlichungen. So sei etwa die Verstaatlichung des erst 2013 privatisierten Glücksspielunternehmens Opap vorgesehen gewesen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Geplant gewesen seien auch Mauteinkünfte an den Autobahnen und der größten Brücke des Landes.

In Griechenland sind unter anderem Siemens, Lidl, Allianz, MAN und Hochtief tätig. Auch für die deutsche Kriegsgüterindustrie ist Griechenland ein wichtiger Kunde. Gegen Siemens läuft bereits ein Verfahren wegen des Verdachts der Korruption. Der Mischkonzern soll 1997 etwa 70 Millionen Euro Schmiergelder an die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE gezahlt haben, um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes übernehmen zu können. Rund ein Dutzend damaliger Siemens-Vertreter und rund 40 weitere Angeklagte stehen deshalb seit März vor Gericht.

Die Regierung in Athen wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte allerdings am Freitag im Parlament gesagt, er habe Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis angewiesen, einen Abwehrplan für den Fall auszuarbeiten, dass Griechenland den Euro verlassen müsse. Details zu den Inhalten des Plans nannte er aber nicht. Ob tatsächlich Korruptionsvorwürfe gegen deutsche Firmen bestehen, denen die griechische Justiz nachgehen könnte, war daher zunächst unklar.