Win-win-Situationen sind etwas sehr Schönes. Doppelsieg-Strategien, bei denen alle Parteien am Ende einen Nutzen erzielen.  

Aber wenn wir ehrlich sind: Sie sind verdammt selten. Anfangs hielten viele Börsen den vollcomputerisierten Hochfrequenzhandel für so eine Win-Win-Strategie. Computerprogramme wickeln dabei innerhalb von Millisekunden Börsengeschäfte ab. Damit wollten die großen Handelsplätze für mehr Wettbewerb sorgen und somit auch für bessere Kurse. Das Trading sollte für alle Anleger fairer werden, indem man den automatisierten Superhändlern den Zugang gewährte. Das war die Hoffnung.

Doch nach dem Crash an den Weltbörsen vergangene Woche werden wieder Zweifel laut: Sind die Hochfrequenzhändler wirklich gut für den Markt? Oder sind sie nicht eher eine Gefahr?

Zumindest eines sind sie ganz sicher: eine wahre Größe im Börsengeschäft. Mehr als 50 Prozent des gesamten US-Aktien-Handelsvolumens geht auf ihr Konto, ähnlich viel ist es bei deutschen Aktien. Sie sind "die dominante Komponente im Markt und können ihn in fast allen Bereichen in seiner Performance beeinflussen", stellte eine Untersuchung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC jüngst fest.

Seitdem die New York Stock Exchange und Nasdaq den Hochfrequenzhändlern mit der Neuregulierung im Jahr 2005 den Weg geebnet haben, ist die Branche immer wieder in die Kritik geraten. Vor allem nach dem Börseneinbruch im Mai 2010 stand sie im Fokus: Eine bedenkliche Order löste damals so viel automatisierte Verkaufsordern aus, dass der amerikanische Börsenindex binnen Minuten um 1.000 Punkte einbrach – um neun Prozent. Der Crash vernichtete Börsenwerte in Milliardenhöhe. Gewinner waren letztlich die Hochfrequenzhändler, die sowohl beim Absturz, als auch beim anschließenden Wiederaufschwung kräftig mitverdienten.          

Fünf Jahre später hat sich an dem lukrativen Geschäftsmodell wenig geändert. Vergangene Woche bejubelte Brian Donnelly, Gründer und Chef von Volant Trading, öffentlich die historischen Profite nach dem Einbruch der weltweiten Börsen: "Das war wohl unser bester Tag seit dem Flashcrash 2010." 

Die Flashboys nutzen das System aus

Der amerikanische Autor Michael Lewis nennt Trader wie Donnelly "Flash Boys". In seinem gleichnamigen Buch vom vergangenen Frühjahr erhebt er den Vorwurf: Sie nutzen das System aus, indem sie Gewinne abschöpfen, die es ohne sie überhaupt nicht gäbe. Die Computerhändler fingen mit ihren superschnellen Datenverbindungen die Kauforder von Großanlegern ab. Sie kaufen dieselben Aktien einen kurzen Moment vor ihnen, treiben damit die Preise und geben die Papiere zu überhöhtem Kurs weiter. Oder sie legten mit einer Vielzahl von fingierten Aufträgen die Rechner von Großinvestoren für Millisekunden lahm und nutzen die Zwischenzeit, um die Preise der betreffenden Aktien zu treiben oder zu drücken und den Gewinn abzuschöpfen. Mit Algorithmen und schnellen Datenleitungen übervorteilten sie die übrigen Marktteilnehmer. Heute noch schicken sie per Glasfaserkabel oder Infrarotlaser die Daten. Eines Tages könnten sie diese mit Hohlkernkabeln oder Neutrinos um die Welt schicken.     

Die Hochfrequenzhändler beruhigen. Andere Marktteilnehmer, die noch klassisch handelten, würden von ihren schnellen Geschäften profitieren: Die größeren Volumina und die vielen Käufe und Verkäufe würden für mehr Liquidität im Markt und damit auch bessere Preise sorgen. Ohne Hochfrequenzhandel müssten manche Käufer länger auf die Ausführung einer Order warten und eventuell höhere Preise zahlen – so ihre Theorie.